Anders als erwartet

Wie in meinem letzten Beitrag schon anklang, war ich mir vor Beginn unserer USA Reise wirklich nicht mehr sicher, warum ich das Ganze eigentlich machen sollte. Es gab sogar eine Phase – direkt nach meinem ersten Pronstorf Retreat – da hätte ich sie am liebsten einfach abgeblasen.

Und einmal mehr lehrt mich das Leben auf Timing zu vertrauen. Jetzt, wo ich hier in Las Vegas sitze, ist alles genau zum rechten Zeitpunkt da.

New York war dazu da, um meinen Abentuerergeist wieder zu wecken. Gewisse Dinge loszulassen. Zu lernen, sich jeden Tag neu überraschen zu lassen. Aber auch zu lernen, Leichtigkeit und Spontanität wiederzufinden. Zu erkennen, dass Ehrgeiz und Anstrengung mich in der Meditation nicht weiter bringt, sondern eher hindert.

Und Las Vegas. Wow. Las Vegas ist die Perversion dessen, was die Menschheit Tag für Tag tut und weshalb es so vielen schlecht geht. Las Vegas führt ad absurdum, wie sehr wir uns betäuben (oder betäubt werden) mit Reizen von außen. Wie sehr Probleme mit Essen, Trinken, Shows, Partys und Geld weggeschoben werden. Wie wir unseren Körper und Geist vergiften und das für eine gute Idee halten. „What happens in Vegas stays in Vegas!“

Und das, was hier in krassester Form abgeht, passiert im Kleinen jeden Tag in fast jedem Haushalt. Ob man es merkt oder nicht, ob man es wahrhaben will oder nicht.

Die Wucht dieser Erkenntnis ist es, die mir klar macht, hier gerade am richtigen Ort zu sein. All diese Menschen zu sehen macht den Drang in mir wacher zu werden noch viel größer. Es macht auch noch deutlicher, wieviel Mut ich dazu immer wieder brauchen werde, aber es lässt mich ebenso erkennen, dass ich mein altes Leben nie wieder so will.

Es ist so verrückt. Wäre ich nur ein halbes Jahr früher hier gewesen – hätten wir dieses Festival uns für letztes Jahr auf die Liste geschrieben – dann hätten wir wohl wie alle anderen hier die Tage mit einem gewissen Pegel von Alkohol, Fett und Zucker unter der Prämisse „Wir sind ja nur einmal im Leben in Vegas“ verbracht. Und am Ende es wäre eine lustige Erfahrung ohne großen Effekt gewesen.

Und jetzt, heute, morgen, die kommenden Tage gehe ich mit offenen Augen durch diese freaky Stadt und beobachte die Menschen und die Atmosphäre hier. Und schaue, was das alles mit mir macht. Das klingt vielleicht total lame in manchen Ohren, aber es ist sooo interessant und lehrreich 😃 – und einfach meine Art Spaß zu haben. Ich möchte auch hier in dieser Zeit meinen Weg weitergehen, es gibt keinen Grund, diese Zeit einfach vorübergehen zu lassen.

Natürlich konsumieren wir hier auch. Natürlich liege ich auch am Pool. Aber anders. Ich tue diese ganzen Sachen mit einem anderen Bewusstsein.

Im Übrigen fühlen wir uns sowieso nicht unter Druck gesetzt, dem zu entsprechen, was andere Leute hier in Vegas so treiben, oder Vegas in dieser oder jener Art zu erleben. Das ist ganz allein unsere Sache. Und meine nochmal ganz speziell.

Ich bin in jedem Fall überrascht von dem, was ich hier erlebe. Und genieße jeden Augenblick.

One thought on “Anders als erwartet

Kommentar verfassen