Das schlichte Leben

Ich will ehrlich sein: Ich habe keine Ahnung, wo ich anfangen soll. Es herrscht keine Erinnerung daran, mit welchem Status ich Ende Oktober die Behandlung begonnen habe. Alles, was ich spüre, ist, dass sich eine Menge verändert und transformiert hat in den letzten Wochen.

So viele Dinge haben Klarheit bekommen. Klarheit, die ich noch nie in meinem Leben so präsent hatte. Mein Bewusstsein hat sich mit der Natur, mit Mutter Erde verbunden. Das Leben um mich herum nehme ich ganz anders war. Das merke ich vor allem jetzt, wo ich wieder in meiner Großstadtwohnung sitze. In der im Übrigen viel zu wenig Pflanzen stehen, wie mir jetzt auffällt.

Die tiefe Beschäftigung mit Ayurveda und die innere Reise haben dazu geführt, dass ich mit einem anderen Bewusstsein bin. Und handele. Ich sehe anders, esse anders, trinke anders, laufe anders. Mit einer neuen Bewusstheit. Einer neuen Präsenz.

Weihnachten ist ausgebrochen

Ihr könnte euch gar nicht vorstellen, wie schräg es gerade ist, in diesen Weihnachtstrubel hineinzukommen. An meinem ersten Arbeitstag hätte ich am liebsten in der Mitte des Hamburger Hauptbahnhofs angehalten und alles um mich herum auf mich wirken lassen. Aber das ist bei dem Andrang dort quasi unmöglich.

Wie gehetzt und ferngesteuert all die Menschen an mir vorbeigehastet sind. Überall blinkt es, überall tönt es. Wenige Menschen haben ein Lächeln im Gesicht oder sind zumindest ansatzweise gut gelaunt. Es scheint, als seien sie alle versunken in sich selbst, tief beschäftigt mit irgendwelchen Gedanken, die ihnen Kopfschmerzen bereiten. Und als nähmen sie all diese schönen tausenden Lichter, die von der Decke herabhängen, überhaupt nicht wahr.

Mein Arbeitsweg führt mich über den Weihnachtsmarkt in der Hamburger Fußgängerzone. Übrigens wohne ich zudem mitten in meinem Stadtteil-Weihnachtsmarkt – absoluter Markt-Overkill 😅.

Großstadtwohnung vs Gartenhäuschen

Nach all der Zeit, in der ich ganz einfach und schlicht gelebt habe, war das ein echt intensives Erlebnis. Und es machte mir bewusst, wie sehr ich mich an all diese Reize gewöhnt hatte. Diese ständige Reizüberflutung ist eigentlich normal hier in meinem Großstadtleben.

Und es macht mir bewusst, wie sehr die meisten Menschen auf kurzweilige Sinnesfreuden fixiert sind. Konsumieren. Um jeden Preis. Sei es Essen, Trinken, Spiele, Accessoires, Kleidung.

Seit ich aus der Panchakarma zurück bin, reduziere ich alle meine Besitztümer. Ich habe in den fünf Wochen dort in einer kleinen Hütte mit einem Zimmer und einem winzigen Bad gewohnt. Und es war wunderschön. Mit meinen zwei Töpfen, drei Löffeln, einer kleinen Sitzecke, einem kleinen Sekretär und Bett. Ich hatte nur eine Reisetasche dabei und einen kleinen Koffer mit Nahrungsmitteln, also meinen Gewürzen, etwas Reis, Dinkelflocken und – natürlich 😄 – Mungbohnen.

Das Glück trage ich mit mir herum

Es war einfach nur schön ohne viel Zeug. Ich habe dabei eines vor allem ganz deutlich gemerkt: Das einzige, was ich wirklich vermisst habe während der Zeit, war mein Mann. Alle materialistischen Besitztümer könnte ich von mir aus aufgeben. Ich brauche kein Handy, kein Laptop, keinen Kleiderschrank voller Klamotten, keine Deko auf der Fensterbank, kein MakeUp, kein Instagram, keinen Blog, keine Filme, um glücklich zu sein.

Also versteht mich nicht falsch, natürlich sehe ich gewisse Dinge nach wie vor als praktisch und gewinnbringend. Es ist schon auch vorteilhaft, Gedanken in Windeseile auf dem Laptop festzuhalten und sie in die Welt zu schicken. Oder einen besonderen Moment mit der Kamera festzuhalten. Oder sich mit Menschen auf der ganzen Welt connecten zu können, zumindest digital.

Aber mein Seelenfrieden hängt nicht davon ab, ob es diese Dinge nun gibt oder nicht. Und dieser Überfluss ist einfach nicht notwendig. Im Innen gibt es für mich so viel zu entdecken, dass das Außen gerade sehr viel an Stellenwert verloren hat. Mein wahres Glück finde ich nicht da draußen. Ich habe es immer dabei. Denn es wohnt in mir. Ganz schlicht.

3 thoughts on “Das schlichte Leben

  1. Das Gartenhäuschen ist ja süß… 🙂
    Ich freue mich für dich, dass du dein Glück in dir siehst.
    Seit Oktober übe ich mich wieder im Meditieren. Und es fällt mir so schwer die endlose Gedankenschleife zu durchbrechen und einfach nur zu sein. Und dabei habe ich noch nicht einmal an meinen alten Verhaltensmustern gearbeitet. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, wie viel Arbeit und Kraft dein wochenlanger Rückzug bedeutet haben muss.
    Irgendwie spüre zwischen deinen Zeilen auch eine gewisse Demut – viel zu selten benutzen wir mittlerweile diesen Begriff. Demut vor etwas Höherem. Demut vor dem, was du gefunden hast…
    Liebe Grüße 😉

    1. Oh ja, liebe Mia, das hast du richtig zwischen den Zeilen gelesen. Demut und Hingabe. Ich habe mir vorher viel zu selten bewusst gemacht, was für ein Staubkorn jeder einzelne von uns ist, schaut man in den Himmel. Wieviele Millionen Kräfte halten mich jetzt gerade auf dem Sofa, welch wundersamer Mechanismus, dass ich automatisch ein- und ausatme, gleichzeitig tippe und das Mittagessen zu einem Teil meines Körpers umgebaut wird. Wenn man sich das bewusst macht, kann man sich nur verneigen, vor dem Makro- genauso wie vor dem Mikrokosmos 🙏. Letztendlich ist es ja das, was Spiritualität ist. Die Beschäftigung mit der Existenz.

      Wie schön, von dir zu lesen, vielen Dank für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße!

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