Das Wissen vom Leben

Was hieß eigentlich bisher gesund leben für mich? Mhhh. Ein gesundes Leben hat viele Aspekte, aber vor allem hat es sich aus einer gesunden Ernährung, Bewegung, nicht allzu viel Stress und einer glücklichen Beziehung definiert.

Und rückblickend betrachtet habe ich all diese Einzelteile schön brav bearbeitet. Jedes für sich. Bei der Ernährung habe ich mich zum Clean Eating hinentwickelt und achte auf Art und Herkunft der Lebensmittel, die ich meinem Körper zuführe. Bei der Bewegung hab ich viele tolle Sportarten begonnen, die mir sehr viel Spaß bringen, wie Tanzen, DeepWork, Krafttraining, Yoga and whatnot. Und gegen Stress schreibe ich Listen und Pläne, versuche Struktur in meinen Alltag zu bringen, um all die Sachen, die meiner Meinung getan werden müssen, optimal miteinander zu verweben. Also eigentlich? Alles paletti! Wenn ich so drüber nachdenke, habe ich mich an meine Regeln gehalten.

Und doch funzt da was nicht. Und das weiß ich nicht erst seit letzter Woche. Ich fühle mich oft rastlos, ausgepowert, kurzzeitig beflügelt, wie neulich vor drei Wochen, und dann wieder am Boden zerstört. Mein Darm ist ärgerlich mit mir, oft habe ich einen aufgeblähten Bauch und ein leichtes Ziehen tagsüber. Manchmal bin ich nach dem Training so erschlagen, dass ich den ganzen Tag nur schlafen könnte. Die Nächte? Ach hört mir auf, erholsamer Schlaf ist ein Relikt aus meiner Jugendzeit. Und jetzt dieser Schub.

Die vergangenen Tage haben meine Definition von einem gesundes Leben durcheinander gewirbelt.

Ich sitze Michael gegenüber, einem Ayurveda-Therapeuten. Er schaut mir konzentriert auf die Zunge und fragt: „Du bist ein ehrgeiziger Mensch? Du hast häufiger mit Bronchitis zu tun?“ – Äääh JAAA! Interessant, was man da so alles lesen kann. „Und deine Leber arbeitet nicht richtig!“ – Was? Puh, okay.

Er hört sich die Beschreibung meines gesunden Lebens an und lächelt sanft. Und dann erklärt er mir, warum ich der MS immer mehr und mehr Brennholz zur Verfügung stelle. Und wie meine MS entsteht. Dass die MS eine sogenannte Vata-Pitta-Störung ist. Und wie unglaublich viel man tun kann, dass diese wieder ins Gleichgewicht kommt. Doch dazu muss ich meine Lebensführung – meine Dinacharya – ändern. Und zwar deutlich.

Wie jetzt? Ich leb doch schon so gesund? Wie kann es denn sein, dass ich noch mehr machen muss? Spontan bin ich etwas vor den Kopf gestoßen, sage ich euch ganz ehrlich. Ich mein .. eigentlich war ich der Meinung, dass ich mir hier schon richtig den Allerwertesten aufreiße, um ein gesundes Leben zu führen. Aber nun gut.

Als ich nach Hause komme, beschäftige ich mich viel Ayurveda. Mit den drei Konstitutionen Vata, Pitta und Kapha. Und mit meiner Dinacharya. Mein Mann lächelt in sich hinein, als ich ihm eine Blase an den Kopf rede vor Aufregung, weil ich mehr und mehr und mehr und mehr spannende Zusammenhänge entdecke. Ich war wohl diese Tage eine wandelnde Glühlampe, so viele Lichter sind mir aufgegangen. Es hat sich genauso angefühlt wie damals, als ich herausfand, dass ich hochsensibel bin. So dieses „Wieso weiß dieses Ayurveda so viel über mich und meine Probleme?“ Es hat einfach BÄM im Herzen gemacht. „Schau dir das an Sabine! Das ist wichtig für dich“ – hat mir mein Bauch geflüstert.

Ayurveda – das Wissen vom Leben. Ich werde an anderer Stelle genauer drauf eingehen, was meine persönliche Konstitution ist und was sie für mich bedeutet. Was mir an diesem neuen Blickwinkel total die Augen geöffnet hat:

Ich habe in den letzten Jahren immer viel zu sehr im Tunnel auf einzelne Dinge geschaut. Ich bin müde, habe Fatigue → ich bewege mich, treibe Sport. Ich fühle mich unwohl in meinem Körper, mein Darm ist gereizt → ich ändere meine Ernährung. Ich habe zu viele Termine, fühle mich gestresst → ich organisiere und strukturiere meinen Alltag, schreibe Pläne und Listen.

Yoga, Fitness, Clean Eating, Zeitmanagement. Alles einzelne Bausteine. Die mir aber in der Summe bisher nicht das stabile Haus gebaut haben, was ich mir dadurch erhofft hatte. Meine MS zeigt mir immer und immer wieder: „Schau hin! Es funktioniert so noch nicht! Dein Haus hält nicht.“

Jetzt erkenne ich jeden Tag mehr, dass der Mörtel, der alles miteinander verbindet, gefehlt hat. Ich dachte immer, ich sei so ganzheitlich unterwegs. Jetzt entdecke ich, dass alles noch viel tiefer geht. Es bringt nichts, all die oben genannten Probleme meines Alltags mit tausend kleinen Einzelstrategien zu bearbeiten. Ich muss an das große Ganze ran.

Kalari, Ayurveda, Meditation – all diese Dinge führen mich gerade da hin, was denn der Mörtel für mein Haus ist. Ich habe da schon ein Gefühl. Aber es hat lässt sich noch nicht formulieren. Es möchte noch ein bißchen geformt werden.

5 thoughts on “Das Wissen vom Leben

  1. Hach Du Liebe… ja dieser „Mörtel“, der alle losen Backsteine zusammenhält, die wirklich zumindest vom Hören her schon ein solides Fundament bilden. Evtl. ist das Zauberwort „Geduld“ und „einfach mal passieren lassen“ anstelle von „ich hab alles im Griff, weil ich mir so tolle Pläne mache“?

    Denn Du weißt ja, Leben passiert, während man eifrig andere Pläne verfolgt..

    Ein Plan geht schief bzw. muss zigmal geändert werden? So what.. solange niemand stirbt, kann man alles anstehende auch in 5 Minuten noch machen 😉

    Wenn ich so an unseren Drehtag in HH denke, war der Zeitplan in Realität auch ein andrer, als angedacht – aber ich habe mir da überhaupt nichts draus gemacht, war nicht ungeduldig oder sonstwas, ich habe einfach diese tolle Atmosphäre beim Dreh bzw. am Set genossen und mir gedacht „pah.. shoppen ist auch nicht das Maß aller Dinge – lieber sitz ich hier mit diesem Haufen netter Leute, da hab ich mehr davon“ 🙂

    Ich wünsche Dir Gelassenheit und davon jede Menge – das heißt nicht, dass einem alles egal sein soll, das heißt nur, dass man auf sich ändernde Situationen flexibel reagieren kann..

    Und der Schub? Der wird sich auch wieder verziehen, wenn er merkt, dass Du das jetzt einfach aushältst und Dir denkst „ach geh…. wird schon wieder“.

  2. Liebe Sabine,

    ich entdecke immer wieder Gemeinsamkeiten bei uns. Wir meinen immer, wenn wir den richtigen ‚Weg‘ finden und nur genug daran arbeiten, dann wird sich unser ‚Problem‘ (die MS) schon auflösen. Dann wir es schon wieder. Wir müssen nur hart genug daran arbeiten.

    Tja…

    Vielleicht sollten wir los lassen, geschehen lassen, zugeben, dass es Dinge gibt, die sich unserer Macht entziehen.

    Tja…

    [youtube https://www.youtube.com/watch?v=VS4fyxuFZvA&w=560&h=315%5D

    Liebe Grüße und Entspannung
    Katrin

  3. Hi Sabine,
    wir Menschen neigen dazu immer sofort zu handeln, etwas für oder gegen etwas zu unternehmen. Oder etwas zu unterlassen – das ist auch handeln.

    Manche asiatischen Weisheiten, wie im Taoismus und Buddhismus, sehen das anders. Nicht-Handeln und geschehen lassen, akzeptieren. Katrin hat das ganz gut ausgedrückt.

    Auf mich machst du aber eigentlich schon den Eindruck, als dass du Sport machst weil es dir Spaß macht -> und nicht wegen der Fatigue. Und dass dir clean eating einfach auch besser schmeckt, dir gut tut und du Freude am Experimentieren hast -> als dass du es nur wegen der MS tust.

    Ich glaube über das Thema könnte man viel philosophieren…
    Liebe Grüße 😉

    1. Ja genau, geschehen lassen – genau das war der Ansatzpunkt, weshalb ich mich rausgezogen habe als der Schub kam. Genau das ist, was ich gerade tue 🙂

      Das heißt aber für mich nicht einfach in der Ausgangslage zu verharren. Das heißt für mich, aus der Opferrolle herauszugehen und lernen zu beobachten.

      Ich habe viele Dinge an mir beobachtet, viele Verhaltensmuster und auch schon die ersten Gründe dafür in mir selbst gefunden.
      Und dann ist es an der Zeit sich zu entscheiden: möchte ich diese Muster behalten? Oder nicht?

      Mein selbstzerstörerisches Verhalten möchte ich eigentlich nicht so wirklich behalten. Also ändere ich es. Ich handele. Und gleichzeitig lasse ich geschehen. Akzeptiere, auf anderer Ebene.

      Die beiden Sachen schließen sich nicht aus. Wichtig bleibt, hinzuschauen. Zu beobachten.

      Der Pfeil bei Sport zu Fatigue etc. bedeutet bei mir eher eine gestörte Erwartungshaltung, anstatt der Grund dieses Tuns und dass das Grundprinzip mir keine Freude machen würde. Ich werde ja auch beides weiter machen. Nur anders 🙂 so, dass es mir WIRKLICH und ganzheitlich entgegen kommt.

      Liebe Grüße!

      1. Danke, dass du es nochmal genauer erklärt hast.
        Habe das Gefühl, dass du gerade eine enorme Wandlung durchmachst. Total interessant.
        …ich muss gerade so schmunzeln, du hast mich mal wieder dazu gebracht meinen Bücherschrank zu durchstöbern, bin fündig geworden mit ‚Nichts tun‘ von S. Harrison. 😀

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