Der Masterplan

Dieses Gefühl hab ich ja schon lange, aber jetzt ist amtlich. Mein Körper verfolgt einen Masterplan. Mit diesem ganzen MS-Kram. Ich weiß, dass das ziemlich bekloppt klingt, aber es ist wirklich so. Aus jeder schlechten Phase komme ich wie ein Phoenix aus der Asche wieder gestärkt hervor und habe das Gefühl, eine neue Lebens-Lektion gelernt zu haben.

Hey, die beschissenen Tage bleiben beschissen. Auch wenn ich mir dann schon immer versuche klar zu machen, dass am Ende alles gut wird. Aber das kann man einfach nicht annehmen, wenn es grad einfach alles nicht geht. Oder zu viel ist mit dem Leben. Das klingt zwar echt dramatisch, aber ich muss ehrlich sagen, dass es so ziemlich beschreibt, wie ich mich manchmal fühle.

Morgens nach einer Nacht mit unruhigem Schlaf aufzuwachen, am ganzen Körper Schmerzen zu spüren und dann zu wissen, was da draußen in der Welt alles auf einen wartet.. das ist an einigen Tagen einfach zu viel. Und ich spreche da nicht von hochtrabenden Aufgaben. Im Gegenteil. Für andere mag es unvorstellbar sein, wie unmöglich es mir an solchen Tagen erscheint, nur das Bett zu verlassen, zu duschen, zu frühstücken. Geschweige denn das Haus zu verlassen, in der vollen Bahn um einen Sitzplatz zu kämpfen, mit Menschen zu kommunizieren. Oder gar Entscheidungen zu treffen.

An solchen Tagen fühle ich mich wie ein kleines Mädchen in einer merkwürdig alten Körperhülle, dass sich da einfach nur die Mama wünscht, die mich an die Hand nimmt. Die mir die Haare föhnt, die mir ein Brötchen schmiert, die mir einen Sitzplatz in der Bahn freikämpft. Das Da-Sein ist gerade so zu ertragen. Aber das Leben überfordert.

Was in solchen Phasen aber zwangsläufig auch passiert: Ich befreie mich notgedrungener Weise von unnötigem Ballast. Am Ende solcher Talfahrten wartet immer eine Art Frühjahrsputz. Alles, was nicht gut tut, mich aufhält oder sonst wie negativ beeinflusst, wird ausgemistet. Dazu zählen nicht nur materielle Dinge oder zwischenmenschliche Beziehungen, sondern auch meine eigenen Verhaltensmuster. Es gibt da eine Reihe, die mich ziemlich nerven.

Nach jeder schlechten Phase gibt es also neue Motivation für Veränderung. Und das liebe ich. Jetzt komme ich also gerade aus einer ziemlich langen miesen Phase. Es ballt sich da gerade gewaltig viel Energie in meinem Bauch und das fühlt sich einfach so guuut an.

Diese ganze Energie wird natürlich irgendwann wieder dazuführen, dass ich mich überlaste. Dann wird die MS wieder kommen. Und mich nötigen, mich erneut zu reflektieren. Und so schließt sich der Kreis. Der Masterplan.

Es hätte nicht unbedingt die MS sein müssen, die mich zu diesem Kreis zwingt, aber .. oh well, sie ist es nunmal jetzt. Auf jedem Fall kann ich diesem Masterplan etwas abgewinnen.

5 thoughts on “Der Masterplan

  1. Liebe Sabine
    Es tut echt so gut diese Zeilen zu lesen! Ich befinde mich zur Zeit in einer „nimm mich an die Hand“-Phase. Alles strengt mich an und ich bin lustlos. Nichtmal mehr Lust zu bloggen hab ich. Ich weiss, diese Phase geht wieder vorbei und dafür finde ich deine Beschreibung sehr passend! Danke!
    Liebe Grüsse <3
    Katarina

    1. Ich sende dir ganz viele Herzen! Halte durch 😘 und setz dich nicht zu sehr unter Druck! Liebe Grüße!

  2. Hallo Ihr Lieben,
    einen Masterplan kann ich nicht erkennen!?
    Mit diesem ‚primär-progredientem Verlauf‘ wird es tatsächlich zunehmend schlechter 🙁 – seit 2 Jahren merklich, da hilft mir meine grundpositive Haltung nix – leider! Habe ich die Wahl zu lachen oder zu weinen , dann LACHE ich und das supergerne – nichtsdestotrotz habe auch ich rabenschwarze Tage. Vielleicht ist das alles so, weil ich schon älter bin als Ihr, aber mir macht das alles schon auch Angst – gerade dann, wenn mein Körper mir meine Einschränkungen überdeutlich zeigt und ich mich frage, was da noch alles kommt!??
    Derzeit ist es eben so, dass ich schlecht und wenig raus kann – zu Fuss mit meinem ‚Ferrari‘ sehr bedingt, mit dem Auto, mittlerweile Automatik, weil der linke Fuss oft streikte – leider jetzt auch tagesformabhängig der Rechte :-p
    Hätte ich nicht meinen wunderbaren Mann (seit 4 Jahren, seit 2 verheiratet), der mich mit MS schon kennenlernte, meine süsses Hundl, meine tollen, fitten Eltern (84 + 79) und meine lieben Freunde/-dinnen, wäre es nicht so toll. So schätze und geniesse ich mein Leben, so gut es eben geht… Sie kommen zu mir und unterstützen mich sehr – so kann ich oft ganz abschalten, Spass haben, lachen!!!

    Alles Liebe, Petra

    1. Hi liebe Petra,
      ja, so unterschiedlich kann es sein. Ich finde es auf jeden Fall stark, dass du dir deine grundpositive Haltung bewahrst und so viel es geht genießt.
      Mein Masterplan-Gefühl hat ja in dem Sinne auch gar nicht soo unbedingt direkt mit der MS an sich zu tun, sondern eher mit dem, was ich aus den Tiefpunkten und dem Kampf mit der Krankheit für mich lernen kann. Es könnte aber auch etwas ganz anderes sein, was dieses Gefühl auslöst .. bei mir ist es nunmal die MS. Und ich kann total verstehen, dass du das in diesem Fall nicht so auf deine Situation übertragen magst.
      Bewahr dir auf jeden Fall deinen tollen Spirit 💪
      Liebe Grüße!
      Sabine

  3. Ich liebe dich einfach für die Zeilen, die du schreibst!
    Masterplan – wenn ich aus meiner „Gesundheitsphase“ wieder raus bin, dann werde ich daran denken, mit der Gewissheit, dass nach dem Tief wieder ein Hoch kommt.
    Die Tiefphase werde ich vielleicht auch mal etwas konstruktiver nutzen, Ausmisten und Selbstreflexion, vielleicht gewinne ich den mir so verhassten Phasen sogar etwas ab.
    Du gibst mir mit dem Masterplan das Gefühl, dass egal
    in welcher Phase ich bin, ich etwas machen kann, und sogar, dass alles auch irgendwie gut ist.

    DANKE

    Chris

Kommentar verfassen