Die Sache mit der Aufklärungsarbeit

Vor ein paar Tagen ist ein regelrechtes Erdbeben durch die MS-Community gegangen. Denn im TV läuft seit kurzer Zeit ein kleiner Spot, der als Spendenaufruf für die DMSG gedacht ist.

Ich will gar nicht anfangen, meine Meinung zu diesem Werk zu sagen, es tut eigentlich auch gar nicht viel zur Sache. Was ich einfach nur festgestellt habe: Hier wird ein Bild der Krankheit Multiple Sklerose dargestellt, von dem ich mich abgrenzen möchte. Und diese spontane Reaktion ist mir selbst zuwider.

Seit immer schon versuche ich, die verschiedenen MS-Parteien näher zusammenzubringen. Es gibt nicht nur nach außen hin aufzuklären, es gibt auch untereinander ganz viel aufzuklären. Viel zu viele negative Emotionen wenden sich vor allem im Netz gegen andere Betroffene. Aus dem simplen Grund, dass man seine eigenen Probleme gerne mal auf andere abwälzt oder an ihnen auslässt.

Weniger noch, als man das sowieso schon gebrauchen kann, ist das unter Betroffenen cool. Ja, es gibt tausend Verläufe. Jeder ist unterschiedlich. Aber anstatt sich chronisch unverstanden zu fühlen, können wir uns auch alle die Hände reichen und uns mit dem, was wir wissen, hochhelfen. Mir ist schon bewusst, dass das Idealismus pur ist. Aber meine Güte, es kann doch nicht so schwer sein.

Meine Mission steht also fest. Wie gesagt. Immer schon.

Mit „Kleine graue Wolke“ habe ich dann zum ersten Mal gemerkt, wie schwierig dieses Unterfangen werden wird. Denn die Interpretation dessen, was ich schreibe, sage und filme, hängt immer vom Rezipienten ab. Und je nach dem, wie sehr ich mit dem Menschen auf einer Wellenlänge schwebe, dem ich da etwas mitteilen möchte, wird er es verstehen oder auch nicht.

Also muss ich mich damit abfinden, dass mich andere missverstehen, meine MS als „nicht vorhanden“ abstempeln, mir vorwerfen, ich wisse ja gar nicht, wovon ich rede. Ich hab mir schon alles mögliche anhören müssen.

Und doch hab ich immer wieder dahin zurückgefunden, dass ich auch für die Menschen kämpfen möchte, die mich nicht verstehen oder mich gar beschimpfen. Weil ich keine Lust auf Gruppen, Abspaltungen, Parteien oder sonstwas habe. Wir haben alle MS. Punkt. Die Welt sollte wissen, was das ist. Punkt. In all ihrer Vielfalt. Ausrufezeichen!

Ihr merkt. Das allein ist schwierig genug. Und dann kommt ein Spot daher, der einen so speziellen Humor an den Tag legt, dass er Gruppendynamiken innerhalb der MS-Community fördert. Und das finde ich so .. unnötig unsensibel. Fast schon zerstörerisch.

Als ich den Film zum ersten Mal sah, hatte ich spontan den Impuls in die Welt zu brüllen, dass ich körperlich momentan so fit bin, wie noch nie in meinem Leben. Dass eine 50 Stunden-Arbeitswoche kein Problem für mich ist und dass ich das Leben einfach liebe. Jetzt, hier, so, wie es ist. Mit MS. Wie schrieb Anja von „Stumbling Princess“ auf Facebook so treffend: #mssuperpowers. Bahbähmm.

Ich bin nicht dieser deprimierte Mensch, dem keine Häppchen auf Partys schmecken und der andere Leute sexuell belästigen muss, um Freude am Leben zu haben. Und weil ich das alles nicht lustig finde, muss ich mir noch vorwerfen lassen, keinen Humor zu haben. Ich bitte euch.

Es hat mich ein paar Tage gekostet, wieder raus aus meiner Nische zu kommen und mich wieder darauf einzulassen, für uns alle zu kämpfen. Für die vielfältige Darstellung der Krankheit.

Jeder kann von dem Spot halten, was er möchte. Ehrlich. Mir zeigt er einmal mehr, wie schwierig es ist, Aufklärung für alle zu betreiben. In jegliche Richtungen. Vielleicht gibt es das nicht. Vielleicht jage ich da einem Hirngespinst nach. Aber erstmal werd ich wohl noch eine Weile laufen, bevor ich aufgebe.

8 thoughts on “Die Sache mit der Aufklärungsarbeit

  1. I am totally with you!
    Hatte mir das Filmchen schon vor einiger Zeit, über die DMSG angeschaut, und fand es einfach zum …….
    Gewollt und nicht gekonnt.

    Die stumbling princess ist eher mein Fall. Danke für den Link!
    Ich geh dann mal was für meine „superpower“ tun, wenn sie da ist, muss ich sie auskosten, aber auch pflegen und trainieren.

    Fette Umarmung, und bitte bitte lass dich nicht von dem Geschwafel anderer beirren!!

    Chris

  2. Hallo liebe Sabine,

    den Spot kannte ich noch nicht. Vielleicht glücklicher Weise. WTF gehört nicht zu meinem Sprachgebrauch, aber etwas anderes fällt mir spontan nicht dazu ein. Was bitte soll dieser Spot jemanden sagen, egal ob mit oder ohne MS?!!! Ich bin sprachlos vor so viel Blödheit und fehlender Empathie. Schade, dass so ein Spot etwas mit der DMSG zu tun hat. Weiter weg als dieser „MSler“ kann man nicht vom hier und jetzt sein!

    Fühlt euch alle gedrückt und geniest die Sonne – Vitamin D hierher 😎✌🏻LG Kati

  3. Hey Mädels, cool down! Vielleicht haben wir Problememit dem Spot, weil wir Frauen sind!? Über Männer-Witze kann ich so wie so selten lachen. 😁
    @Sabine Bitte höre nicht auf, über MS zu informieren! Allen Recht machen, kann man es eh nie! Damit muss man/frau leben.

  4. Das Video ist für mich nichts aussagend und schlecht gemacht. Die Pointe ohne Witz und beim Darsteller kommt leider keinerlei Lebensfreude rüber, die er laut Beschreibung nicht verloren habe. Ich habe zwar verstanden, was das Video aussagen MÖCHTE, aber das kann auf diese, vorsichtig ausgedrückt, sexistisch angehauchte Weise natürlich nicht gelingen. Finde es schade.
    Und ich verstehe dich, dass du dich darüber aufregst.

  5. Hey, danke für den Beitrag. Ich und mein Freund mussten grad beim Anblick des Spots auch eher müde schmunzeln… Mir ist das Bild, das hier gezeichnet wird, viel zu Einseitig.
    Denn ja, auch ich gehöre zu den Personen, die durch die MS einen positiven Lebenswandel durchgemacht haben!
    Meine MS schuldet mir eine Menge – und dennoch hat sie mir, so komisch das klingen mag, auch viel gegeben.
    Mach weiter so, ich lese so gerne auf deiner Seite! Das Thema MS bietet so viele Möglichkeiten der Betrachtung. Es ist wichtig, dass moderne Blogs dafür sorgen, dass auch ein modernes Bild der Krankheit gezeichnet wird!

  6. Über „Fräulein Trulla“ bin ich gerade bei Dir gelandet! Lieben DANk für diesen tollen blog. Werde mich gleich mal mit einem frische Kaffee bei Dir durchlesen! – Dieser mit monoton-deprimierter Stimme und völlig lebensfreudefrei präsentierte Spot hat für mch persönlich rein gar nichts mit Humor zu tun! Wenn dieser Spot ein Bild von MS-Patienten repräsentieren soll, dann distanziere ich mich hiermit ausdrücklich! Als außenstehende Person OHNE Kontakt zu MS-Patienten, wäre dieser „Aufklärungs-Spot“ für mich sicher sogar eher abschreckend und alles – aber NICHT sympathsich! – Was ich persönlich sehr schade finde! Ansonsten glaube ich, dass es nicht die Menschen sind, die sagen: „Wir HABEN alle MS. Punkt“ , bei denen die MS eben – mal präsenter und mal weniger präsent – ein Teil ihres Lebens ist ; welche mit Vorwürfen, Beschimpfungen und co. aggieren! Das sind eher die, die mittlerweile *nur noch* „MS sind!“ – und sie nicht „nur“ HABEN – wie sie auch viele andere Dinge in ihrem Leben *haben* – wie Freunde, Hobbys, Familie und und und….Mit lieben Grüßen Nicole

  7. Leider echt daneben. MS hat auch diese Gesichter. Jeder macht es so gut wie er kann. Ein Spot sollte ein positives Gefühl hinterlassen. Wie die kleine graue Wolke. Schade, für mich eine verpasste Chance.😐

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