Eine Blog-Entdeckung und eine Erinnerung

Bevor ich euch die Geschichte über die Anfänge von KGW weitererzähle, muss ich einmal dazwischen funken. Ich bin durch die fröhliche Tweeterei von Christian de Vries (mal wieder :)) auf einen ganz tollen Blog gestoßen, der mich völlig aus den Socken gehauen hat.

Auf dem Mutismus-Blog von Sab habe ich gleich mehrere Stunden verbracht. Sie schreibt mit unglaublicher Ehrlichkeit und Direktheit über Szenen aus ihrem Alltag mit selektivem Mutismus. „Die Welt aus der Sicht einer Schweigsamen“ – so betitelt sie ihren Blog. Und auch wenn ich selbst nicht an Mutismus leide, kann ich diesen Texten dort so wahnsinnig viel abgewinnen. Ich fänd es jetzt sehr vermessen zu sagen, dass ich glaube zu wissen, wie sich Mutismus anfühlt, denn das kann ich weiß Gott nicht. Und ich mag es ja persönlich auch nicht, wenn Nicht-MSler zu mir sagen, sie wüssten, wie das mit der MS ist.

Wenn ich Sabs Texte lese, dann rührt sich in mir irgendetwas lang Verdrängtes. Da sind plötzlich Erinnerungen an meine Jugend. An meine Schulzeit. An etwas, das ich schon lange versuche von mir wegzuschieben.

Ja, ich war ein sehr schweigsames Kind, zumindest, wenn mehr als eine Person mit dabei war. Ich habe diverse Traumata aus meiner Teenager-Zeit mitgenommen, als mich sogenannte Freundinnen einfach hinter sich zurückgelassen haben, weil ich mit einer großen Clique nicht so gut zurechtkam und mich nicht auf irgendwelche unbedeutenden Partys getraut habe. Irgendwann zwischen 14 und 16 habe ich angefangen zu schreiben, weil ich nicht mehr so gern reden wollte und mich (bis heute) viel wohler fühle, etwas mit Geschriebenem auszudrücken als mit Gesagtem. Seit ich denken kann, habe ich das Gefühl, dass alles, was ich schreibe, viel treffender und ehrlicher formuliert ist, als ich es jemals aussprechen könnte.

Für das, was ich heute mache, braucht man ein gewisses Selbstbewusstsein im Auftreten. Und das, was ich heute habe, musste ich mir hart erarbeiten. Und soll ich euch was sagen? Die MS und die kleine graue Wolke haben mir dabei tatsächlich geholfen. Sicherlich drückt so eine Erkrankung auch mal auf das Selbstbild und na klar, fühlt man sich manchen Menschen gegenüber in einigen Lebensphasen nicht mehr so wertig. Aber ich habe endlich – endlich, mit 27 Jahren – so viele Menschen auf einmal getroffen, die mich mit allen Schwächen akzeptieren.

Zurück zur lieben Sab:

Besonders schön finde ich, dass sie mit diesem Blog Einblicke in das echte Leben mit selektivem Mutismus geben möchte, um die Leute aufzuklären. Beide Daumen hoch!!! Das gelingt dir hervorragend, liebe Sab! Und wenn du mal einen Film darüber drehen möchtest, schreib mir bitte 🙂

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