Gegen den Strom

Es war schon im Sommer mal Thema bei mir und es bleibt aktuell: Mut. Ich merke gerade, was Mut überhaupt bedeutet. Viele Menschen fanden es damals mutig, „Kleine graue Wolke“ zu realisieren mit allem, was dazu gehört. Sowohl mit der persönlichen Herausforderung der Begegnungen als auch mit der Filmproduktion an sich. Andere fanden es mutig, dass ich danach ein Unternehmen gegründet habe. Wiederum andere finden es mutig, dass ich keine Medikamente nehme.

Das alles fühlt sich mich persönlich nicht nach Mut an. Es sind alles Dinge, für die ich ohne Schwierigkeiten einstehen kann. Herz und Kopf ziehen bei all diesen Sachen an einem Strang. So ist es für mich unmissverständlich klar, dass diese Sachen gerade richtig für mich sind.

Okay, dann sind da vielleicht ab und zu mal Dinge oder Situationen, vor denen ich Angst hatte. Aber auch da fühlte es sich nicht besonders mutig an, sie zu überwinden. Da ich meine Ängste immer eher als irrationale Auswüchse meines Unterbewusstseins gehalten habe, war es mehr eine Art Überwindung, die ich aufbringen musste, um gewissen Dinge zu tun. Nach Amerika reisen zum Beispiel.

Das, was sich nach echtem Mut anfühlt, das trat erst letztes Jahr in mein Leben. Und dieses Gefühl fordert mich in letzter Zeit mehr denn je heraus. Aber so richtig.

Was ist so anders?

Es geht plötzlich darum, die Identifikation mit Dingen loszulassen, die schon so lange zu mir gehören. Da ist alles mögliche dabei .. Besitztümer, Eigenschaften, Komplimente oder Dinge, auf die ich lange stolz war und es zum Teil noch bin.

Die liebe, sensible Zuhörerin. Die emphatische Freundin. Die mit dem offenen Herzen für so viele Menschen. Die Filmemacherin mit MS. Die perfekte Ehefrau. Diese ganzen Sachen loszulassen, heißt ja nicht, dass man all diese Funktionen und Eigenschaften nicht mehr ausübt. Es heißt nur, dass ich mich damit nicht mehr identifiziere und frei davon handeln kann. Ich muss keine Energie mehr aufwenden, um irgendein Bild aufrecht zu erhalten.

Auch wenn ich schon so intensive Erfahrungen damit gemacht habe, wie schön und erleichternd es sich anfühlt, wenn man diese sinnlosen Kletten loswird. Mein Denkapparat liebt es einfach, alles infrage zu stellen. Ich spüre regelrecht, wie klebrig er sich überall anhaftet, was ihm vor die Nase kommt.

Es war nach der Panchakarma ganz deutlich zu spüren, dass sich mein Denken anders verhalten hat als zuvor. Mit meinem neugewonnen Bewusstsein und der Sensibilisierung durch die Reinigung kann ich jetzt ganz gut erkennen, was grad in mir abläuft. Sprich, welche Energien sich da gerade ungesund in mir steigern.

Jetzt war ich zwei verlängerte Wochenenden aufeinander nicht nur auf Reisen, sondern musste auch viel viel viel reden. Und ich merke, wie mein Vata-Dosha steigt. Unter anderem daran, dass meine Gedanken wieder mehr kreiseln. Und Dinge infrage stellen, die eigentlich längst geklärt sind.

Jetzt fängt der Mut für mich an. Ich stürze mich gerade in ein Leben, in dem mein Denken eine andere Rolle spielt als zuvor. Es wird einfach vorbei sein, dass ich mich von meiner Psyche herumkommandieren lasse.

Doch sie ist so so hartnäckig. Ständig steht sie da mit einem Knüppel in der Hand, wenn ich nicht aufpasse. Es klingt vielleicht nicht mutig, aber für mich ist es das.. Das Denken denken zu lassen und den existenziellen Fragen mit dem Herzen nachzugehen. So gut ich kann im Bewusstsein zu verharren und wahrzunehmen, was jetzt ist.

Das Ganze wird auch nicht leichter dadurch, dass es auf diesem Weg nicht so viele Menschen gibt, an denen man sich orientieren könnte. Es wird eher kritisch beäugt, was man denn da so tut und von sich gibt.

Das erinnert mich an ein Zitat von Konfuzius, auf das Deva mich gebracht hat:

„Um an die Quelle zu kommen, muss man gegen den Strom schwimmen.“

4 thoughts on “Gegen den Strom

  1. Liebe Sabine,

    es freut mich so sehr deine Zeilen zu lesen. Dich genau hier angekommen zu sehen, denn jetzt wo du bist, zeigt dass die Panchakarma seine Arbeit getan hat. Du entfaltest deine eigene, Wahre Persönlichkeit, die du lange Zeit vielleicht „verschonen“ wolltest.

    Vielleicht vor der eigenen Wahrheit?

    Im Dialog mit sich selber stehen, das erfordert Mut. Aus dem Dialog eine Debatte zu machen und sich zu 100 Prozent der eigenen Identität zu stellen ist mutig. Denn genau in diesen Momenten kommt das unangehme zum Vorschein. Menschen fangen an sich von einem zu lösen, weil sie mit der „neuen“ Person überfordert sind. Dinge fangen an nicht mehr zu funktionieren.

    Doch sei bitte mutig anders zu sein, denn anders heißt nicht immer schlecht. Hab den Mut dein Weg auch mal alleine zu gehen, denn wie ich mal sagte liebe Sabine: hab keine Angst allein da zu sein (du weißt was ich meine), denn Menschen die dein wahres Ich so wahrnehmen wie es ist und sich mit dir identifizieren, werden auf dein Lebenszug mit aufspringen und dich des Weges begleiten.

    Du bist innerlich so stark geworden, dass ich mir sicher bin, dass du bald dein „imaginärer“ Knüppel nicht mehr brauchen wirst.

    Ich drück dich ganz doll 😘. Danke dass es dich gibt 💜💜💜.

    Claudia

  2. Liebe Sabine, Ich freue mich momentan immer, wenn ich sehe, dass wieder ein Beitrag von dir online gegangen ist. Manchmal, wenn ich es nicht sofort schaffe, ihn zu lesen, lege ich ihn mir in meinen „Action“-Ordner, in den normalerweise so alltägliche „to do“ und „don’t forget“-Sachen reinkommen.

    Ich kann alles, was du schreibst, so gut nachvollziehen. Ich habe zwar keine Panchakarma gemacht, aber es gibt ja bekanntlich viele Wege, die nach Rom führen, und ich bilde mir ein, auf anderen Wegen ähnliche Erkennntnisse gehabt zu haben, wie du, auch wenn ich sie längst nicht so klar fornmulieren kann. Danke dafür!

    Ich würde dir aber gern noch sagen, dass es auch nicht schlimm ist, wenn du dich doch zwischendurch mal wieder mit etwas indentifizierst. Vielleicht ist diese Identifikation auch ein bisschen der Motor, der uns manchmal antreibt, aus Überzeugung Dinge tun zu können. Ich glaube, am wichtigsten ist es, in der Lage zu sein, diese Identifikationen auch wieder loszulassen, wenn sie zur Belastung werden.

    Jedenfalls: Eine ganz tolle und positive Entwicklung, die du gerade durchgemacht hast! Die Reise geht weiter…

    Alles Gute für dich!

    1. Danke, liebe Astrid, für deine lieben Worte! Übrigens glaube ich, dass es auch ohne Identifikation diesen Motor gibt. Der sogar dann noch kräftiger ist, weil ihm eine andere Energiequelle zugrunde liegt.. Naja. Ich werde es herausfinden ☺️🙏✨ Danke für deine Treue 💙

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