Hinfallen, Mund abwischen, weitermachen

Jeder von euch kennt es: Die Tage werden kürzer, die Sonne hat lange nicht mehr geschienen, die Motivation schwindet und es wird zunehmend schwerer, sich morgens aus dem Bett zu schälen.

Das, plus eine gehörige Portion Dauermüdigkeit, Unfähigkeit ganze Sätze zu bilden und einen klaren Gedanken zu fassen, hat mich die letzten fünf Tage befallen. Ja, ihr MSler unter euch ahnt es: die Fatigue hat zugeschlagen. Über die letzten zwei Jahre zeichnet sich ab, dass sie mich immer gleich mehrere Tage in Beschlag nimmt, aber dafür nur alle zwei bis drei Wochen.

Mittlerweile muss ich sagen: Man gewöhnt sich an alles ;). Ich kann damit leben und finde es auch völlig in Ordnung, wenn ich damit vor mir selbst geschützt werde, sobald ich einmal mehr dabei bin, mich zu überarbeiten. Womit ich immer noch nicht umgehen kann, ist die Reaktion der ganzen anderen lieben Menschen in meinem Leben. Es sind nicht alle – aber die, bei denen es mir am wichtigsten ist, haben leider noch keinen Weg gefunden, sich nicht bei dem kleinsten Anzeichen der MS gleich die Sorgen über den Kopf wachsen zu lassen.

Ja, es ist auch schwierig, vor allem, wenn man die Krankheit nicht jeden Tag oder zumindest öfters mal miterlebt, wie beispielsweise mein Verlobter, der im übrigen als einziger den Königsweg für mich gefunden hat 🙂

Meine liebe Protagonistin Peggy, die ihr hoffentlich auch bald alle kennenlernt, hat eine gute Erklärung gefunden: Die MS ist einfach so schwer für andere greifbar. Oft sieht man nicht, was sie gerade mit uns macht. Hätte ich den langersehnten Besuch bei meinen Liebsten mit der Begründung einer dicken Erkältung abgesagt, wäre wahrscheinlich niemand in Sorge zerflossen.

Doch was soll man schon mit Fatigue anfangen? Wer sich nicht auskennt, für den ist das schnell nur ein weiterer Beweis, dass diese unkontrollierbare Krankheit in mir wütet und mich versucht kaputt zu machen.
Während der letzten zwei Jahre habe ich ehrlich gesagt einfach darauf gewartet, dass sich meine Lieben an die Krankheit gewöhnen, und die Sorgen-Macherei von alleine aufhört. Aber ich glaube mittlweile, damit mache ich es mir ein bißchen zu einfach. Es gehört mit zu dieser gesamtem MS dazu, dass man lernt, mit seinem Umfeld und dessen Reaktionen umzugehen.

In Interviews werde ich immer wieder gefragt „was ich denn nun gefunden habe“ in Bezug auf meine Aussage im Teaser, dass es darauf ankommt, was man durch die MS findet.

Ich möchte den Film nicht im Übermaß vorwegnehmen, aber diese Erkenntnis ist definitiv etwas, was ich gefunden bzw. realisiert habe. Dass es nichts bringt, sich auf den Hintern zu setzen und zu warten, bis die Welt drumherum einen Weg gefunden hat, sich keine Gedanken mehr zu machen (und ich spreche hier von echten Sorgen, nicht von Mitleid) oder diese dann weniger schwierig für mich zu äußern. Es gehören immerhin zwei Seiten zu dieser Art von Fehlkommunikation.

Im Großen und Ganzen sind die Sorgen ein Zeichen von Liebe. Liebe, die wir oft in diesen Situationen nicht annehmen können. Im Übrigen charakterisiert uns MSler genau das auch alle sehr, aber das ist ein anderes GROßES Fass, was ich an dieser Stelle besser nicht aufmache.

Wie immer kommt es auf uns an, was wir aus dieser Liebe machen, die uns da gegeben wird. Auch wenn sie manchmal hilflos erscheint. Macht sie das weniger wertvoll? Wie ein schlauer Mensch (dessen Name mir gerade jetzt natürlich NICHT einfällt) schon sagte: Wenn du eine Situation nicht ändern kannst, dann musst du die Sichtweise ändern!

Jawoll! Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Wie ergeht es euch mit den Sorgen eurer Freunde und der Familie?

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