Jüngere Wohn-Pflege

Am vergangenen Mittwoch war ich zu Gast auf einer Veranstaltung des Vereins Jüngere Wohn-Pflege e.V. in meiner Heimatstadt Detmold. Die sehr engagierte Gabriele Bunse hatte mich zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, an der viele bekannte Gesichter teilgenommen haben: Eva Koch von der Hertie Stiftung, Sabine Schipper von der DMSG und – was mich am meisten gefreut hat – mein allererster Neurologe und Namensgeber von „Kleine graue Wolke“ Christoph Schattenfroh. Zusammen mit dem Kinderarzt Günther Golla reden wir über einige verschiedene Aspekte des Lebens mit MS. Ich bin sozusagen als „Insiderin“ eingeladen.

Es ist schon eine Weile her, dass ich Teil solcher Veranstaltungen war, denn der große Rummel um meinen Film hat sich jetzt rund drei Jahre nach der VÖ etwas gelegt. Nun komme ich also dahin und werde begrüßt als Regisseurin von „Kleine graue Wolke“. Dabei ist dieser Film bei mir nur noch die blasse Erinnerung an den Beginn einer immensen Veränderung meines Bewusstseins.

Ich habe mich noch nie daran aufgehalten, besonders stolz auf den Film zu sein. Aber letztendlich ist es eben vor drei Jahren einfach mein Baby gewesen. Mein erster Kinofilm. Ein Stück Geschichte, mit dem ich das Leben anderer Menschen inspirieren kann. Mein ganz persönlicher Beweis, dass ich mit MS in der Lage bin, meinen damaligen Wunschberuf auszuüben.

Und nun ist der Film .. ja, was ist er denn nun? Ein Stück festgehaltene Geschichte. Ein Teil meiner Reise. Aber er bedeutet mir in dem Sinne nicht mehr so viel wie damals. Ich hüte ihn nicht mehr als mein Baby. Der Film ist einfach da, er darf in der Welt wirken. Aber mir fällt auf, wie klein meine emotionale Bindung an dieses Werk geworden ist im Laufe des letzten Jahres.

Auch wenn der Abend nicht viel Raum hat, um wirklich in die Tiefe zu gehen, ist es eine schöne Veranstaltung mit tollen Menschen gewesen. Vor allem der Verein Jüngere Wohn-Pflege hat Aufmerksamkeit verdient. Er hat sich zum Ziel gesetzt, junge Menschen, die bereits aufgrund einer Erkrankung eine Betreuung brauchen, davor zu retten in Seniorenheime verfrachtet werden zu müssen. Stattdessen setzt er sich für dynamische Wohngemeinschaften ein, wo selbstbestimmt und altersgerecht gelebt werden kann. Den Spirit von Frau Bunse fand ich sehr inspirierend.

Mir ist nur aufgefallen, dass trotz aller Bemühungen eine ganz lockere Atmosphäre zu schaffen, doch eine gewisse Schwere auf allem lag. Und das ging nicht von den MS-lern aus, die da waren. Ich hab da sehr deutlich vernommen, wie schwer es doch eher den nichtbetroffenen Menschen fällt, ganz normal und unbefangen Menschen wie mir zu begegnen. Einfach als ob alles normal wäre. Ohne Bewunderung, ohne Respekt, ohne Scheu.

 

2 thoughts on “Jüngere Wohn-Pflege

  1. Hi Sabine, toll, dass es solch einen Verein gibt. Kenne auch aus meiner Stadt ein Wohnkonzept für jüngere Pflegebedürftige.
    Zu deinen letzten Sätzen: Ich verstehe die Leute, wenn sie mit einer gewissen Bewunderung und einer Scheu dir gegenüber stehen, schließlich ist es etwas Besonderes, was du da auf die Beine gestellt hast. Wer verfilmt schon kurz nach seiner Diagnose seine Gefühls- und Gedankenwelt und stellt sich der Öffentlichkeit. Da gehört Mut dazu, was gewisserweise zu bewundern ist. Ich frage mich, haben die Leute deinen Weg nach dem Film weiterverfolgt? Wahrscheinlich nicht. Denn durch deinen Blog und MS-persönlich erfährt man ja viel mehr von dir, was einem, mich zumindest, dazu bringt offen, greifbarer, eben normal und ungeschminkt mit dir umzugehen. 🙂

    1. Liebe Mia, in meinem Beitrag meinte ich eigentlich alle MS-Betroffenen, die offen mit ihrer Diagnose umgehen – das war gar nicht so sehr auf jetzt meinen speziellen Weg bezogen 🙂 Ich habe generell eine gewisse Schwere gespürt, die in den Blicken und in den Stimmen der „Gesunden“ mitschwang, wenn sie mit uns ins Gespräch gekommen sind. Und ich glaube, dass das nicht einmal bewusst passiert!

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