Mehr als nur Essen

Bevor ich meinen Kalari Erfahrungsbericht fortsetze, kurz ein anderes Thema.

Kennt ihr das, wenn ihr eure eigenen neu gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen so bereichernd findet, dass ihr sie unbedingt mitteilen müsst? Und so nach zwanzig Minuten Gespräch merkt, dass ihr euren Gesprächspartner völlig verloren habt? Der Blick des Gegenüber wird freundlich aber leer, das Lächeln höflich aber nicht herzlich.

Jap, solche Momente hatte ich des Öfteren über Ostern beim Besuch meiner Eltern. Ich teile so gerne, was gerade alles in meinem Leben passiert, aber vergesse dabei, dass meine Eltern die Prozesse nicht miterleben. Ich komme mir manchmal vor, als rede ich von den berühmten böhmischen Dörfern oder irgendwelchem neumodernen Hokuspokus.

***

Mit dem Begriff „Clean Eating“ können sie natürlich nichts anfangen, logisch. Ich mag diese Begrifflichkeit auch nicht mehr so richtig gern, aber finde sie aussagekräftig. Clean, rein, sauber, keine Zusatzstoffe, keine Fertigprodukte, keine stark verarbeiteten Lebensmittel.

Dieses Ernährungskonzept konnte ich noch recht gut erklären – wobei das, was da hängen geblieben ist, in der Essenz lautete: Sabine isst keinen Zucker mehr. Und wenig Fleisch. Und überhaupt nur gesund.

Hihi. Darüber muss ich bis heute schmunzeln. Auch wenn es die Sache nicht auf den Punkt bringt, von mir aus.

Ein neuer Spirit

Neu ist seit Anfang des Jahres, dass sich der „cleane Spirit“ in meinem Leben ausgeweitet hat. Ohne, dass ich es groß forciert oder mir von anderen hätte vorschreiben lassen, integriere ich immer mehr und mehr Dinge in meinen Lifestyle, die den Anspruch auf Nachhaltigkeit haben.

Beispiel Klamotten. Ich bin wirklich kein klassischer Gute-Vorsätze-Haber, aber diesen einen hatte ich: Keine konventionellen Klamotten mehr. Das hieß natürlich nicht, dass ich meine komplette Garderobe auf den Müll geschmissen habe. What’s done is done, die Sachen sind ja nunmal schon gekauft, hergestellt und hängen bei mir im Schrank.

Aber es heißt ganz simpel, dass alles Neue von nun an Eco Fashion sein muss. Nachhaltig und fair produziert, gerne auch aus recycelten Materialien. Mein neuer Bikini ist zum Beispiel zu 80 % aus alten Fischernetzen hergestellt.

Und was bedeutet das jetzt?

Hat das noch mehr Konsequenzen als meinen Lieblingsshops den Rücken zu kehren? Ganz lautes, klares JA. Hat es!
Ich war noch nie ein Mensch, die viele Klamotten konsumiert hat. Aber in den letzten Jahren hat der Konsum schon deutlich zugenommen, vor allem in Amerika im letzten Jahr bin ich völlig außer Kontrolle geraten.. naja, für meine Verhältnisse. Andere würden daran wahrscheinlich nichts komisches finden. In New York und Miami war ich völlig im Shopping-Wahn. Das hat mir zu Denken gegeben.

Brauche ich diese Fülle? Ganz und gar nicht. Vor allem nicht von so Billigzeug. Ich möchte endgültig einen Strich darunter ziehen, Kleidungsstücke zu tragen, die von ausgebeuteten Menschen und raffgierigen Herstellern in fragwürdigen Textilfabriken hergestellt werden.

Wer kann sich das schon leisten..

Mein Mann ist noch nicht so weit, dass er Konsequenzen für sein eigenes Leben zieht, obwohl er um die Zustände in den Fabriken weiß. Neulich meinte er in einer Nebenbemerkung, ob wir uns das wohl überhaupt leisten könnten, wenn wir beide nur noch Eco-Fashion kaufen würden.

Dazu kann ich nur sagen: Wir haben Ende April. Ich habe bisher drei Basic-Shirts und einen Bikini gekauft – alles nachhaltig produziert, versteht sich. Das war wirklich nur das, was ich unbedingt brauchte. Damit habe ich nicht nur nachhaltige Textilproduktion unterstützt und vier unglaublich tolle und sich gut anfühlende Kleidungsstücke im Schrank, sondern tatsächlich auch Geld gespart. Eben durch das überlegte Kaufen und nicht einfach mal drauf los, weil es grad ein Angebot gibt.

Wenn du dir Gedanken darüber machst, wo deine Kleidung herkommt, bist du definitiv auch soweit zu entscheiden, was du wirklich brauchst. Win win win! Du kaufst weniger, gibst von mir aus das gleiche Geld aus, aber die Sachen halten viel viel länger. Mal von ethischen Aspekten ganz abgesehen.

***

Und nun ist Ostersamstag. Und meine Mama führt mich voller Freude in die Stadt aus, um mit mir – na klar – Shoppen zu gehen. Jetzt erklär meine eigene Situation mal, ohne neunmal klug und belehrend zu klingen. Eine echte Herausforderung.

Am Ende haben wir für sie ein paar tolle Klamotten ausgesucht. Und auch wenn sich nicht fair hergestellt waren, war ich diejenige, die meine Mama davon überzeugt hat, sie zu kaufen. Denn sie hat es verdient, sich etwas zu gönnen.

Sie hat meinen Prozess einfach nicht selbst durchlaufen. Na klar kann sie das dann nicht in 30 Minuten nachvollziehen, warum sie ihrer Tochter jetzt mit einem Shirt von H&M überhaupt keine Freude mehr machen kann. Und warum das Schuhe-Outlet im Ort kein Anziehungspunkt mehr ist und ich lieber eine Runde im Wald mit ihr und dem Hund spazieren gehe.

Und das ist ok so. Nur hoffe ich, dass ich ihr ein Stück die Augen dafür öffnen kann, was da so weit weg von uns passiert, damit wir hier für ’nen Appel und ’nen Ei ein T-Shirt kaufen können. Belehren will ich sie nicht. Ich bin sowieso kein dogmatischer Mensch. Und es ist ohnehin ein langer Prozess, in dem auch ich erst ganz am Anfang stehe. Aber er fühlt sich gut an auf den ersten Metern. Und dieses Gefühl will ich so gerne teilen.

3 thoughts on “Mehr als nur Essen

  1. Hi Sabine!
    Ja kenn ich auch und manchmal ist es auch frustrierend …
    Mit Ernährung experimiere ich schon seit Jahren. Aber seit diesem Jahr auch ohne Industrie-Zucker. Im Grunde mach ich wohl auch ‚clean eating‘.
    Ich bin auch so, dass ich meinem Umfeld begeistert von neuen Erkenntnissen erzähle und wie sich alles zum Positiven verändert. Aber es interessiert die meisten nicht. Ich habe sowieso oft das Gefühl, dass ich mein Umfeld mit meinen ganzen Gedanken und Erkenntnissen nerve, langweile oder einfach überfordere. Mir geht halt vieles durch den Kopf, recherchiere alles bis ins kleinste Detail und probiere viel Neues aus und das mit voller Begeisterung. Und manchmal war es auch das Falsche und ich probiere was anderes. Das fehlt mir manchmal bei meinen Mitmenschen, sich für was begeistern auch wenn es mal schief gehen kann …
    Deshalb bin ich oft mehr im Netz unterwegs als in der Realität. Dein Blog steht mittlerweile ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsblog’s, weil ich dich verstehe und froh bin, dass auch andere so sind wie ich.
    Ich überleg schon lange auch einen Blog zu schreiben um diese ganzen Gedanken mal los zu werden, aber wer interessiert sich schon für meine Gedanken auf die Welt 🙈 und im Tagebuch schreiben war ich schon immer ne null!
    Mir fehlt in der realen Welt der Austausch mit anderen HSP weil ich denke, dass diese Begeisterungsfähig und das Bedürfnis es zu teilen irgendwie damit zusammen hängt. Diese Gespräche sind einfach so viel intensiver als mit einem normal fühlenden Menschen (was auf keinen Fall abwertend klingen soll!).
    Aber das ist vielleicht auch der Grund warum ich nur 1-2 gute Freunde habe und mich eher als glückliche Einzelgängerin bezeichnen würde.
    Liebe Grüße Bibi 🙋🏼

  2. Ich finde deine Einstellung toll! Bei mir hat sich dieses Jahr auch einiges geändert, aber nicht im Kleiderbereich, denn ich kaufe momentan keine Kleider. Aber das eine Paar Strümpfe, dass ich mir zum Geburtstag auf den Tchibo Gutschein gönnte, waren sogar Biosocken 😉
    Bei mir sind es eher die Nahrungsmittel, die ins Geld gehen. Weitgehend Bio, und die Nahrugsergänzungen, wie Algen und so Kram! Was macht man nicht alles für seine Gesundheit. Gesunde Ernährung steht bei mir im Moment ganz oben! Hoffen wir, dass es was bringt. Die Vitamin D3 Therapie bringt schon erstaunlich posive Ergebnisse 🙂 Und keine Mediamente von den Pharma-Riesen! Die schon genug Geld von den Krankenkassen abzocken 😉
    Meine Mutter kann ich nicht mehr belehren, denn sie ist bereits seit 17 Jahren tot 🙁 Ich arbeite immer noch daran, ihren Tod zu verdauen, und als nächstes steht eine Psychotherapie an. Meine Mutter hat nie gewusst, dass ich MS habe, denn sie war schon 13 Jahre tot, als sie diagnostiziert wurde.
    Angesichts dieser Tatsache, ist mir ganz egal, was ich kaufe und besitze. Alles relativiert sich angesichts der Tasache, dass sie nicht mehr da ist, um mein Leben mit ihr zu teilen 🙁
    Aber ich will nicht nur über den Tod meiner Mutter klagen, obwohl das ein Ereignis war, dass mich sehr geprägt hat, und über das ich immer noch nicht hinweg bin. Jedes Jahr ist Weihnachten für mich alles andere als ein Freudenfest, denn sie hat sich gerade den 24.Dezember zum Sterben ausgesucht, und damit beginnt auch mein Roman, den ich danach begann. An 1.Januar 2000 war sie noch in meiner Wohnung und hat die Haschkekse probiert, die mein Kumpel Laurent gebacken hatte, und bekam davon Halluzinationen 🙁 Auf mich hatten sie überhaupt eine Wirkung, aber meine Muttter hatte auch keinen Magen mehr 🙁 Und so ziemlich ein Jahr später starb sie bereits! Der tragische Auftakt für das neue Jahrtausend, dass für mich auch nichts Gutes brachte. Das 21. Jahrhundert werde ich wohl nicht mehr erleben! Ich frage mich momentan sogar, ob ich es überhaupt erleben *will*! Alt werden mit MS? Das muss nicht unbedingt sein! Ich gehe jetzt schon auf die 50 zu! Mein Vater wäre in dem Jahr, in dem ich 50 werde schon 100 geworden! Diese Jahr ist er 20 Jahre tot, im Oktober 🙁 Meine Tante starb in dem Jahr, in dem meine MS entdeckt wurde, und mein Onkel auch nur wenige Jahre zuvor. Von meiner Familie sind nur noch ich und meine jüngere Schwester da, und ihr drei Söhne, zu denen ich gar kein Verhältnis habe.
    Es ist so traurig… Aber ich will dich nicht langweilen. Nachdem du gerade eine so schöne Erfahrung hinter dir hast, deine gute Laune zerstören, aber ich habe nun einmal niemanden mit dem ich es teilen kann, außer vielleicht meinem Ex Andrej, wenn er heute abend wieder anruft. Aber immer muss ich zurückrufen, weil er nie Guthaben auf seinem Handy hat, und im Moment ist er noch auf dem Sonnenberg in der Psychiatrie. Einer derwenigen Menschen, die ich in der letzten Zeit kennen gelernt habe, und er ist noch behinderter als ich 🙁 Genau wie Jörg, den ich in St. Irmina kennengelernt habe, und der praktisch blind ist 🙁 Mein Schicksal: selber behindert, da lerne ich nur Behinderte Menschen kennen. Und bis November 2013 war ich noch gesund! Unglaublich…
    LG, Susi

  3. Ich habe auch oft das Gefühl, dass meine Themen nicht unbedingt die meiner Gesprächspartner sind. Ich bin schnell verletzt und habe andere Empfindungen. Einsamkeit manchmal. Ich wundere mich auch, dass so wenig Interesse besteht, nicht nachgehakt wird. Erwartungen sind ein schlechter Ratgeber, weil jeder verhält sich nach seinem Gefühl. MS überfordert vielleicht? Sensitivität? Ich weiß mir darauf noch keinen Reim zu machen.

    Das Thema Essen ist wichtig. Du bist was Du isst. Gesundheit und Energie schenkt dir die richtige Nährquelle. Was das für den Einzelnen bedeutet ist individuell. Durch die MS beschäftigt man sich vielleicht mehr damit. Ich habe in den letzten Jahren Phasen gehabt: Junk Food, Vegan, Kuchen, Frustessen. Alles zu seiner Zeit, je nach Bedürfnis. Durch meine Begeisterungsfähigkeit springe ich auch schnell auf neue Züge auf. Wie man sich fühlt durch die Nahrung ist wohl das Entscheidende. Ich glaube Essen nicht als Platzhalter für etwas anderes zu missbrauchen ist wichtig und gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen. Frisch kochen, wenig Fertigprodukte und wenn man mal Heisshunger hat: erlauben und genießen.

Kommentar verfassen