Zeit für etwas Großes

So. Zeit für etwas Großes. Als ich gerade nachgeschlagen habe, wann ich diese große, sehr viel verändernde Erkenntnis über mich hatte, hätte ich mich fast an meinem Kaffee verschluckt. So lang ist das schon her?

Am 25. Oktober 2014 ist ein Artikel auf meinem damals noch altem Blog erschienen, aus dem ich euch den entscheidenen Absatz zitiere:

Ich habe eine übermäßig-erleuchtende-alles-verändernde-mega-fette Selbsterkenntnis gehabt, die so übermäßig-erleuchtend-alles-verändernd-mega-fett ist, dass ich noch gar nicht glauben kann, dass ich sie hatte. Dieses ganze Gewirr aus verschiedensten Erlebnissen, Charaktereigenschaften und alltäglichen Situationen in meinem Leben, die ich noch nie verstanden habe und die seit ich klein bin ein Mysterium für mich bilden & mich manchmal wie ein Alien in dieser Welt fühlen lassen & all das: Puff! Wie Magie! Verschwunden. Na gut, vielleicht nicht verschwunden, aber aufgeklärt!

Diese Erkenntnis war so groß für mich, dass ich nicht sofort darüber schreiben konnte. Erstmal musste ich so vieles herausfinden und mich damit .. naja, irgendwie auch anfreunden. Recht schnell bin ich darauf gekommen, wie wunderbar diese Erkenntnis für mein Leben ist. Und wie mich das Wissen darum weiter bringt.

(Jetzt hab ich so viel Spannung aufgebaut, dass ich grad selbst ein wenig schmunzeln muss ☺️)

Eigentlich ist es ganz simpel. Ich gehöre zu dem Kreis der hochsensiblen Menschen. Kurz oft HSP genannt: High Sensitive Person. Auch wenn sich der Moment dieser Erkenntnis wie ein Diagnosemoment angefühlt hat, ist das um Gottes Willen keine Krankheit. Eine tolle Webseite, die viele wichtige Informationen zu Hochsensibilität hat, ist zartbesaitet.net.

Und was bedeutet es, eine HSP zu sein?

Nach allem, was ich mir in der Zwischenzeit angelesen habe, kann es ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Bei mir sind es unzählige .. ich kriege sie nie mit einem Mal auf die Reihe, weil es einfach zu viele sind.

Ein paar Beispiele: Ich nehme Emotionen sehr feinfühlig war und kann mein Gegenüber oft viel präziser einschätzen, als mein Umfeld das tut. Ich bekomme Reize wie Lärm oder Gerüche ungefilterter und dadurch sehr intensiv mit. Ich kann Situationen aus meiner Kindheit mit einer ähnlichen Intensität nochmal durchleben, als seien sie gestern passiert (vor allem negative Situationen, in denen ich gedemütigt wurde). Allgemein hallt Erlebtes sehr intensiv in mir nach. Ich leide extrem mit verwundeten Tieren mit. Bei jedem überfahrenen Igel, der am Straßenrand liegt, schießen mir die Tränen in die Augen. Andere Menschen haben einen extremen Einfluss auf meine eigene Stimmung. Ich nehme emotionale Schwingungen wie ein Schwamm auf und es fällt mir schwer, mich davon abzugrenzen.

Die Liste geht weiter und weiter. Eigentlich kann ich hinter jeden Punkt aus dem Wikipedia-Eintrag zu Hochsensibilität einen Haken und ein Ausrufezeichen setzen.

Hochsensibilität bedeutet auch, mehr Reize aus der Umwelt wahrzunehmen

Und wie bist du drauf gekommen?

Damals habe ich für ein Doku-Projekt über Autismus recherchiert und verschiedene Blogs dazu gelesen. Eine Autistin hatte auf ihrem Blog einen Artikel zu Hochsensibilität geschrieben und einen Test verlinkt. Ich habe mich schon von ihren ersten drei Sätzen so angesprochen gefühlt, dass ich sofort diesen Test gemacht habe. Und danach zwei weitere. Alle mit dem gleichen sehr eindeutigen Ergebnis, dass ich hochsensibel bin.

Es gibt übrigens viele Menschen, die hochsensibel sind. Man schätzt, dass das auf 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung zutrifft. Testet euch mal selbst, wenn ihr euch in meiner Beschreibung wiederfindet. Bei zartbesaitet.net gibt es u.a. einen solchen Test.

Und warum ist das so weltbegewegend?

Weil es so viel erklärt. Und weil es mich Dinge ganz anders angehen lässt. Ich muss mir zum Beispiel, schon seit ich denken kann, von meiner Umwelt anhören: „Lass dir mal ein dickeres Fell wachsen“ oder „Sei nicht so empfindlich!“ Und bis Oktober 2014 dachte ich tatsächlich, dass ich daran arbeiten muss. Dass ich tougher werden muss, dass ich zu sehr Weichei bin für diese Welt. Ich hatte schon autistische Züge an mir vermutet, weil ich immer so viel mehr wahrnehme als andere. An viele Details erinnert sich mein Umfeld gar nicht oder nimmt sie nicht wahr. Und ich wurde dann im Nachhinein oft bespöttelt, weil ich alles mögliche abgespeichert hatte.

Und jetzt weiß ich: Ich kann kein dickes Fell kriegen. Und das ist auch gut so. Ich habe diese Eigenschaft innerhalb weniger Wochen so lieben gelernt. Ich will kein dickes Fell.

Klar, HSP sein bringt mit sich, dass man vieles ungefiltert mitbekommt. Ergo: Reizüberflutung. Ergo: Fatigue-Förderung vom Feinsten. Und sicher sind da noch viele andere anstrengende Sachen auf der dunklen Seite der Medaille.

Aber: Seitdem ich es weiß, kann ich so kraftvoll damit arbeiten. Ich empfinde es als hundertprozentige Bereicherung für mein Leben, so zu sein. Nicht nur, dass ich sehr feinfühlig auf meine Umwelt eingehen kann. Mit dem Wissen um diesen Wesenszug, konnte ich meinem Mann endlich erklären, warum ich manchmal so heftig auf – aus seiner Sicht – Kleinigkeiten reagiere.

Hochsensibilität und MS?

Vielleicht habt ihr das mitbekommen .. ich habe damals als wir „Kleine graue Wolke“ gedreht haben häufiger mal fallen lassen, dass ich das Gefühl habe, alle Frauen mit MS seien sich irgendwie ähnlich. Ich sage das sogar im Film.

Und wisst ihr was: Ich weiß jetzt, was ich meinte. Eine geschärfte Sensibilität. Seit ich es selbst von mir weiß, rede ich mit vielen (MS-Betroffenen) darüber und finde immer mehr und mehr Menschen, die selbst entweder schon herausgefunden haben, dass sie HSP sind, oder es darauf hin herausfinden.

Ich bin seit der Diagnose in jedem Fall noch sensibler geworden als früher. Und ich habe das Gefühl, dass sowas bei vielen anderen auch durch die MS an die Oberfläche kommt.

Jetzt bin ich gespannt, was ihr dazu sagt? Seid ihr selbst auch schon auf dieser Spur?

22 thoughts on “Zeit für etwas Großes

  1. Hallo Sabine,

    hmm, 224 Punkte und etwas verdutzt bin ich gerade. In Worte zu fassen was es bedeutet neben Freunden verschiedene Dinge weniger leicht geniessen zu können, über viele Sachen nachzudenken ständig zu reflektieren. Trotzdem bin ich stark und kontaktfreudig und überwinde mein Schneckenhaus immer wieder und mit voller Überzeugung und Spass und Neugier an meinem Gegenüber. In vielen MS- Bloggertexten finde ich die Ansprüche und Reflektionen an sich selbst wieder. Es gibt viele Parallelen zwischen uns allen. Vielleicht haben wir sie deshalb bekommen, weil wir stark genug sind aufzustehen und damit zu leben. Jeder mit seinen Einschränkungen und immer wieder mit „negativen“ und grüblerischen Phasen, die ich persönlich am liebsten mit dem Kopf unter meiner Bettdecke verbringen würde. Mache ich nicht, die Welt da draussen ist spannend und die Menschen ebenso. Erschreckend ist nur wie sehr ich mich oft wiederfinde in deinen Texten. Auch heute. Als Befreiung empfinde ich das Testergebnis nicht, dass ich hier immer anders war als andere wusste ich schon als Kind. Jetzt hat es einen Namen, einen der sich für mich noch nicht so gut mit meiner MS verträgt. Ich will positiv und offen sein, abends nicht müde und kaputt. Ist aber leider immer so, muss ich mit leben. Also halte ich es wie viele hier; Krönchen richten und weiter laufen. Solange mich meine Beine tragen… 😁 Euch allen ein schönes Wochenende, Lg Kati

  2. Ich bin auch eine hochgradige HSP, ich weiß genau wovon Du sprichst. Mir ist es erst vor ca. drei Jahren so richtig bewusst geworden und es hat mich zutiefst erleichtert. Ich forsche auch wegen Zusammenhängen von HSP und MS, ein spannendes Gebiet…. Ich bin gelernte Astrologin und medizinische Fachangestellte und würde gerne Horoskope daraufhin untersuchen.
    Also, wer hat Interesse daran mir seine Geburtsdaten zu übermitteln. Ich möchte vor allem die zeitlichen Auslöser, den Krankheitsverlauf, die Dauer der Erkrankung etc. auf planetare Einflüsse untersuchen und überprüfen, ob meine Vermutungen über Zusammenhänge stimmen. Das alles natürlich gerne kostenlos und über ein perönliches Gespräch. Anfragen über brigittedrumm@freenet.de

  3. Sie haben 318 Punkte

    Punkteanzahl >= 300

    Sie sind mit Gewissheit eine HSP. Und zwar eine mit besonders hoch ausgepräger Sensibilität.

    Und was nun?!

    Geahnt habe ich es ja schon lange. Das erste Mal hörte ich von HSP auf einem Flug vor 6 Jahren. Da sass eine Frau mit Tochter neben mir, und die erzählte mir unter anderem, dass diese auf eine Schule gehen würde, die ausgerichtet sei auf Kinder mit HSP. Bei ihren Beschreibungen zur Hypersensibilität wurde ich hellhörig.
    Genau wie du, habe ich gemerkt, dass ich mir einfach keine „dickere Haut“ zulegen kann. Ich versuche auch nicht mehr sie zu bezwingen, ihre Vorteile richtig zu nutzen, darin übe ich mich ab jetzt 🙂

    Ganz liebe Grüsse,
    Chris

  4. Dass ich sensibler bin als viele Andere, wusste ich schon immer. Aber, dass es dafür einen Namen gibt und sogar Studien dazu, das erfuhr ich erst vor wenigen Monaten durch dich, liebe Sabine. 🙂
    Das Buch ‚zart besaiten‘ von Georg Parlow empfand ich wie eine Versöhnung mit mir selbst.
    Und für einen wissenschaftlicheren Einblick kaufte ich mir ‚Sind sie hochsensibel?‘ von Elaine Aron.

  5. Hallo Sabine! Und wieder ich 🙋🏼
    Freu mich gerade wie ein kleines Kind über diesen Blog-Eintrag. Seid deinem Film war mir schon ziemlich klar, dass du auch eine HSP bist 😊. Irgendwie hat man da ein Gespür für (irgendwie ist der Satz in dem Zusammenhang sehr witzig 😂)! Und ich habe auch schon festgestellt, dass viele mit MS die gleichen Eigenschaften haben.
    Mein Aha-Erlebnis war tatsächlich damals im Krankenhaus, als die MS-Diagnose gestellt wurde. Ich lag mit einer Frau auf dem Zimmer, die mir nach 3 Tagen eine Zeitschrift hinschmiss und einfach sagte „Lies mal“. Es war ein Bericht über HSP und es war für mich wie eine Offenbarung. Mein ganzes Leben oder eher Denken ergab auf einmal einen Sinn.
    Und ich glaube … das ich durch diese Eigenschaft MS steuern kann! Auch, wenn mir viele sagen, dass es nicht geht 😏. Aber seitdem hatte ich keinen Schub mehr und das ist jetzt 6 Jahre her 🎉!
    Aber das die Fatigue dadurch verstärkt wird ist definitiv wahr! Manchmal aber vielleicht garnicht so schlecht, um seine erfassten Gefühle zu sortieren.
    Ich freue mich schon jetzt, mehr von dir zu lesen 📖
    Ich finde es Strange, wie ähnlich wir uns sind 🙈😊
    Sonnige Grüße, Bibi ☀️

  6. Hallo Sabine! Jaaa!!! Du bestätigst meine Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen HSP und MS gibt 🙂 Ich weiß es seit 2014, als ich meinen letzten Freund Andrej kennenlernte, der sich mit den Worten vorstellte: Hallo, ich bin Andrej, und ich bin hochsensibel, und ich habe den Eindruck, dass du auch hochsensibel bist! Danach recherchierte ich und las vor allem den Wikipedia-Beitrag zu Hochsensibilität, und ich hätte fast bei jeden Satz laut JA schreien können, denn es war so genau, wie ich mich schon von Kindheit an fühlte, aber ich wurde immer verkannt, weil ich so schüchtern war. Mein Vater nannte mich einen Duckmäuser, und meine Schwester dachte nach dem Tod unserer Mutter über mich nach und sagte, ich hätte autistische Eigenschaften gehabt. Das hat mich erst entsetzt, aber nachdem du dasselbe beschreibst scheint es wohl bei hochsensiblen Menschen normal zu sein.
    Meine Heilpraktikerin erzählte von einer Patientin, die auch MS hat, und die genauso sensibel wie ich zu sein scheint. Das brachte den Ball ins Rollen. Leider kenne ich nicht so viele Menschen mit MS persönlich, was vielleicht auch wieder an meiner autistischen Ader liegen kann, denn ich habe Probleme auf Menschen zuzugehen, und sie nach derart persönlichen Dingen zu fragen. Ich bin eben sehr schüchtern und ängstlich und stehe mir selbst in meinem ganzen Leben im Weg. Aber wenn ich sogar Ärzte und Therapeuten mit der Tatsache konfrontiere, dass ich hochsensibel bin, kommt meistens überhaupt nichts zurück, da hat man den Eindruck, sie wissen gar nicht wovon ich spreche. Allein in der AHG Berus traf ich eine Psychologin, die etwas mit dem Begriff anfangen konnte, aber es hat trotzdem nichts gebracht, und in einer Gruppe wurde ich als Simulant hingestellt, weil ich sagte, ich hätte ein Trauma, weil 2014 sich zwei Männer von einer Brücke in der Nähe meiner Wohnung gestürzt haben, und anschließend traute ich mich nicht mehr allein über die Brücke 🙁 Sie sagten, man habe nur ein Trauma, wenn man die Situation selbst erlebt habe! Weil sie mich mal wieder nicht verstanden. Von daher war der Aufenthalt in Berus nicht wirklich erfolgreich, weil ich hinterher mit noch mehr Ängsten als zuvor entlassen wurde 🙁 Und meine Angst vor der Lemtrada-Behandlung gipfelte darin, dass ich in Sulzbach, wo die Behandlung durchgeführt werden sollte, ein Psychopharmakum bekam, von dem meine Ängst noch wesentlich größer wurden! Und dann sagten sie, bei der Vorbesprechung, in hätte es weiter nehmen sollen, nachdem ich mich gerade von diesem Medikament befreit hatte. Das hat 2 Wochen gedauert, und hinterher bekam ich ein schlechtes Gewissen und rannte zu meinem Neurologen, der erst mal ausschließen wollte, dass ich eine Infektion hatte und deshalb einen Urintest von meiner Hausärztin anforderte. Offensichtlich war der Test negativ, aber in meinen Blutwerten schien trotzdem etwas nicht zu stimmen, denn ich bekam nie einen Anruf, ich solle zu einer Kortison-Infusion kommen. Mitlerweile denke ich, es war ganz allein meine Psyche, die wieder mal verrückt spielte. Aber ich sagte die Lemtrada-Behandlung ab, und ich sagte auch alle anderen Behandlungen ab, sowohl in Sulzbach als auch bei meinem Neurologen in Saarbrücken. Mittlerweile habe ich wohl eine Phobie vor Medikamenten 🙁 Besonders vor MS-Medikamenten! Ich lese immer wieder, oder höre es in Filmbeiträgen, dass der Lebenswandel sehr wichtig ist, und dass die Medikamente teuer sind aber meistens keine nennenswerte Besserung bringen, und dass vor allem Sport und Ernährung wichtig sind! Während die MS-Nurse in Sulzbach meinte, die Patienten, die es mit der Ernährung versucht hätten, wären irgendwann wieder in der Klinik erschienen! Aber mir geht es doch eigentlich gut, und außer meinen Ängsten und meiner Gehbehinderung bin ich weitgehend symptomfrei! Vor allem habe ich keine Fatigue! Habe ich auch nie gehabt! Im Moment heilfaste ich, und das fällt mir gar nicht schwer. Ich mache sogar Sport dabei, und meine Muskelmasse war heute bei 38,6 % 🙂 Mein Gewicht allerdings nur 53,5 kg. Das ist extrem wenig, aber ich habe überhaupt keinen Hunger und auch keinen Appetit. Von daher denke ich, es ist noch okay, obwohl es für meine Größe von 1,70 wohl schon Untergewicht ist.
    Für mich war die Erkenntnis, dass ich hochsensibel bin auch eine Offenbarung, die mich allerdings nicht wirklich überraschte. Ich wüsste nur zu gerne, ob Hochsensibilität ein Grund für den Ausbruch von MS ist. Das interessiert mich, seit ich weiß, dass ich dieses Phänomen besitze! Danke, dass du mir die Bestätigung gegeben hast, dass es offensichtlich einen Zusammenhang zu geben scheint 🙂
    Liebe Grüße, Susi

  7. Hi Sabine
    Ich habe grad den Test gemacht, und bei mir kamen 294 Punt heraus!
    Das ist sowas von eindeutig, aber ich wusste es schon lange, bevor ich den Test machte. Ich kenne doch meinen Körper, und ich kenne meine Psyche! Ich liebe meine Hochsensibilität und ich würde niemals etwas an sie heran kommen lassen! Auch keine Psychopharmaka, selbst wenn sie meine Ängste eigentlich besiegen sollen. Deshalb gehe ich auch nicht auf den Sonnenberg, wo mein Ex gerade ist, wegen seine Ängst und seiner Paranoia und was weiß ich. Ich finde es furchtbar, was Psychopharmaka mit Menschen anstellen! Besonders wenn es Depotspritzen sind, von denen Andrej anscheinen enorm zugenommen hat. Nächste Woche werde ich ihn wohl mal wieder sehen, wenn er aus dem Sonnenberg entlassen ist, und ich grad keine KG habe.
    Siebe Grüße noch einmal von Susi

  8. Liebe Sabine
    Dass da möglicherweise ein Zusammenhang besteht, habe ich mir auch schon länger gedacht und immer wieder mal Hochsensibilität und Multiple Sklerose zusammen gegoogelt.
    Ich habe noch niemandem erzählt, dass ich hochsensibel bin. Enge Angehörige, v.a. meine Mama, wissen es natürlich (und dies ganz ohne Recherche im Internet und das Wissen, dass es dafür einen Namen gibt).
    Auch habe ich mir schon früh Strategien zugelegt, diese „Eigenschaft“ möglichst zu überspielen oder verstecken, da sie mir viele Nachteile gebracht hat – früher in der Schule und später im Job.
    Danke für deinen Bericht.
    Herzliche Grüsse
    Corina

  9. Liebe Sabine,

    Geahnt habe ich es ja schon immer, galt ich doch schon als Kind immer als das kleine Sensibelchen….Auch mir wurde immer vom dicken Fell gepredigt, aber irgendwie war das nie ich….Damals bei meinen ersten Symptomen sprach ich das ebenfalls beim Arzt an, aber ich wurde auf die psychische depressive Schiene gestuft und somit verzögerte sich natürlich auch meine MS Diagnose…Das waren für mich sowieso die schlimmsten Jahre!
    Jetzt mit offiziell bestätigter MS ist es natürlich nicht besser, aber ich habe für mich herausgefunden, dass ich sehr wohl ein gutes Körpergefühl hatte und merkte, dass etwas nicht mit mir stimmte und das ich auch nicht so verrückt bin , wie mich alle Ärzte oft hingestellt haben…..Der Satz klingt jetzt irgendwie etwas strange….
    Das war dann auf eine Art schon irgendwie eine Befreiung….
    Und ja, dass die Fatigue dadurch gefördert wird kann ich auch bestätigen!
    Ich danke dir sehr für diesen Post und bin innerlich damit wieder sehr seelig ( ich glaube du weißt warum)
    Jetzt versuche ich das ganze auch so durchweg positiv zu sehen! Mein Mann meint ja schon immer ich sei zu gut für diese Welt* lach*

    Liebste Grüßle
    Melanie

  10. Liebe Sabine,
    ich habe auch eine Tendenz zu HSP. 200 Punkte. Ich habe irgendwann das Buch von Rolf Sellin in die Hände bekommen: Wenn die Haut zu dünn ist. Ich kann teilweise Menschen und Trubel ganz gut aushalten muss dann aber plötzlich in die Ruhe.Ich war als Kind eher frech, auch als Teenager. Vielleicht auch eine Rolle durch äußere Umstände. Jetzt bin ich ganz leise geworden. Empfindsam war ich immer. Erst durch MS habe ich mich getraut in meinem Job mal Nein zu sagen. Ich habe teilweise am Wochenende Cortison bekommen und bin Montags wieder arbeiten gegangen. MS hat mir einen anderen Weg gezeigt. Stress hat meine Schübe verursacht. Seitdem ich mir erlaube auf meine Bedürfnisse zu achten habe ich keine Schübe mehr gehabt. Viele Reize aufzunehmen, die Schönheit der Welt so intensiv wahr zu nehmen ist ein Geschenk. Es bedarf auch eines sensiblen Umfelds sonst ist man ständig verletzt. Eine Herausforderung! Ich finde den für mich neuen Zusammenhang von MS und HSP spannend. Herzliche Grüße Andrea

    1. Hallo liebe Andrea, liebe Sabine, ein wirklich schöner Kommentar, der mich berührt. Deshalb muss ich ein zweites Mal schreiben. Frech und laut als Kind war ich auch, muss (und will!) heute im Job Führungskraft sein. Es hält mich fern von meinem Schneckenhaus, fordert mich jeden Tag erneut aus meiner Komfortzone heraus. Andrea, wie hast du es geschafft im Job einen Weg für dich zu finden ohne Schübe??? Es gibt Tage an denen habe ich Sehstörungen auf dem Heimweg, gern Donnerstags wenn die Woche bis dahin stressig war und ich nicht genug Schlaf bekommen habe (Kinder und Hunde haben nachts das ein oder andere auf dem Herzen und die späten Nachmittage nach der Arbeit sind gefüllt mit Hobbys unserer Kinder, der Vater ist arbeiten). Wo nehmt ihr euch die Auszeiten, wo den Weg im Beruf? Bei mir weiss nur die engste Familie von der MS und zwei enge Freunde. Liebe Grüße, Kati (in meinem Beruf wäre es nicht machbar es offen zu sagen ohne dass es als Schwäche ausgelegt wird. Vielleicht ist das irgendwann nicht mehr möglich aufgrund von Einschränkungen. Bis dahin geht es weiter. Muss es.)

  11. Liebe Kati,
    der Weg ist nicht so romantisch gewesen, wie man es sich wünscht. Ich bin nach 6 Jahren im Job ins Krankenhaus eingeliefert worden weil ich eine Spinne auf dem Auge hatte. Dann die Diagnose MS. Ich war sofort ehrlich und habe es meiner Chefin gesagt. Vollstes Verständnis verbal. Nach der Entlassung 2 Wochen zu Hause. Am ersten Arbeitstag wurde ich gefragt,ob ich noch für den kranken Kollegen mitarbeiten könnte bei 30 Grad. Konnte ich, wie immer. Das ist noch 4 Jahre so weiter gegangen. Sie wollten mich vielleicht schonen, es war einfach immer zu viel Arbeit da. Ich konnte nicht Nein sagen. Jedes Jahr ein Schub. Mehr Stress, alle 4 Wochen ein Schub. Ich bin in eine Akutklinik gekommen. Habe zugehört, beobachtet. Gesehen, dass viele versuchen durch mehr Anstrengung ihr altes Leben beizubehalten. Ich habe gerne gearbeitet. Es ist mir zunehmend schwerer gefallen. Ich konnte mich nicht mehr fokussieren, schlecht hoeren bei Nebengeräuschen. Druck, Druck, Druck. Ich wollte nicht im ♿ sitzen weil ich über meine Kräfte bis zum Schluss weiter mache. Ich habe nach der Klinik noch einen Tag eine Wiedereingliederung probiert und sie abgebrochen. Weil ich innerlich daran zerbreche, was in meinem Job passiert, was ich machen soll und was so Meilenweit entfernt ist von dem, was ich in Ordnung finde. Ich bin ausgestiegen, arbeite nicht. Kein Traumzustand, kein Weichzeichner – ich bin allein nur mit meinem nackten zerbrechlichen Ich. Aber: kein Schub mehr und kein Übergehen meiner Erschöpfung, kein Lachen wenn ich mich nach weinen fühle, keine Fassade erhalte ich aufrecht. Das ist mein Weg…
    Es freut mich sehr, hier Menschen zu treffen, die ähnliches erleben.
    Liebe Grüße an alle, die tapfer zuversichtlich im ☔Regen auf Sonne☀ warten. Andrea

    1. Liebe Andrea, Danke für deinen Kommentar und deine offenen Worte! Danke, dass du uns: mich teilhaben lässt an deinem Weg! Wenn der ohne Arbeit besser für dich und deine Gesundheit ist, deine MS dadurch schlummert ist dieser Schritt für mich sehr mutig und konsequent. Was mich überrascht sind die von dir beschriebenen Symptome; auch ich habe Probleme in Meetings bei vielen Aussengeräuschen richtig zuzuhören. Wenn ich gestresst und kaputt bin ist es mir kaum möglich Filmen zu folgen oder meinen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen. Das richtige Fokussieren in starken Stresssituationen auf den PC fällt mir dann wahnsinnig schwer. Im Moment sind meine Aufgaben so vielfältig, dass ich mich dann anderen Dingen zuwenden kann und muss. Ich kann für mich selbst autark entscheiden was ich wann erledige. Ich weiss, wie Angestellte mit chronischen Krankheiten eingeschätzt und beurteilt werden. Es ist unfair und berücksichtigt nicht den Einzelfall und auch nicht die Leistungsfähigkeit des einzelnen. Man ist eine Nummer mit Stempel drauf. Den versuche ich noch zu umgehen. Auch aus Angst meinen Job vorzeitig zu verlieren. Nicht, weil ich nicht in der Verfassung bin ihn auszuüben sondern weil man vermutlich zu erwartende Kosten umgehen will (die vielleicht nie auftreten werden ???!) und mich deshalb entlässt. Also bleiben Sehstörungen und Auffassungsprobleme übrig. Mal gar nicht, mal stärker. Was deine Chefin betrifft und ihre Anteilnahme muss man hier unterscheiden zwischen persönlicher Anteilnahme, die sicher echt ist und betrieblichen Belangen. Dann zählt unter dem Strich Leistung, Geld und Personalbesetzung. Wie der Name und das einzelne Schicksal dahinter aussieht verschwimmt je nach Unternehmenspolitik. Und je nachdem erfolgt die Kündigung schneller oder langsamer. Alles Liebe für dich! Es würde mich freuen ab und zu etwas zu lesen! Liebe Grüße und schöne Ostern euch allen! Kati

    2. @andrea, was ich noch hinzufügen wollte; der unbedingte Wille immer weiter zu machen, es allen recht zu machen und über unsere Grenzen hinaus da zu sein, zu helfen, zu arbeiten, was auch immer scheint ein allgemeines „Problem“ von uns MSlern und HSPler zu sein … auch meins. 😉 Lg Kati

  12. Hallo liebe Sabine, liebe Andrea,

    Ich hab mir jetz alles drei vllt sogar viermal durch gelesenen.Ich find mich überall wieder, es
    Passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.
    Ich war immer Zeit meines Lebens damit bestrebt dem gegenüber alles richtig zu machen, dem anderen zu gefallen und so weiter.
    Jetzt aber wenn ich irgendwelche Sachen hab wie z.B. Fatique dann heißt es immer nur stell dich nicht so an du musst doch – du kannst doch nicht und so weiter.
    Man fühlt sich da in dem Moment nicht richtig verstanden.
    Ich weiß grad nicht wie ihr das alle so hinbekommen – neidisch bin 😌.

    @Sabine: Dein Blog ist einfach toll bitte immer weiter machen!

    @Kati: Viele – wenn nicht alles deine Gefühle teile ich bis ins kleinste 🙂

    @Susanne Hesse: Deine Worte sind so war – so vergleichbar. Soo nachvollziehbar. Wir MSler sind so gleich irgendwie. Mich würde es nicht wundern wenn wirklich alle HSPs sind.

    Und dann noch @Andrea:

    Dein Post hab ich förmlich in den Bann gezogen – jetzt wirst du fragen warum??? Nun ja weil Es auch bei mir so ist.2011 Diagnose und gleich dem Arbeitgeber gegenüber sich offenbart. Hab nur Zuspruch bekommen und durfte alles machen wie bisher. Dann würd ne Stelle frei und was hieß es dann „Also Herr ……(meiner einer) das geht nicht das ist ja auch stressig und so und ein bekannter der das auch hat der wäre froh keine Verantwortung zu haben. “
    Ende vom Lied war ich habe diese Stelle nicht bekommen habe aber diese Arbeit zeitweise gemacht.Und viel Stress gibt es sowieso immer mit dem Vorgesetzten. Wie immer 🙁

    Also alles Liebe und Gute euch allen !!!!

  13. Liebe Sabine,
    Du hast hier wirklich eine großartige Plattform geschaffen zum Austausch. Mir gibt es sehr viel, zu fühlen dass ich irgendwo auch in einer Nische bin, nicht ganz alleine Empfindungen habe. Ich weiss nicht, ob es dem ein oder anderen zu sehr ins Detail geht. Ein privates Antworten an einzelne Teilnehmer ist wohl nicht vorgesehen…?
    @Susanne Hesse
    Ich habe eine kurze Zeit Medikamente ausprobiert. Gegen HSP eher nicht. Vielleicht gegen eine Randerscheinung Mir fällt es schwer mich zu fokussieren. So viele Eindrücke. Wenn ich ein Zimmer verlasse und ins nächste gehe bin ich oft so inspiriert etwas Neues zu tun, dass ich vergesse, dass ich im alten Zimmer beschäftigt bin. Das zieht sich teilweise durch die ganze Wohnung und ich entdecke allerorts angefangene kleine Kreativbaustellen oder angefangenes Putzstellen… Ich habe das Gefühl, den Faden zu verlieren seitdem ich Schübe hatte. Der Automatismus, im Hinterkopf zu haben, was man vorher gemacht hat, ist weg. Offene Fenster, Türen. Liegengelassene Taschen im Zug, gestohlene Koffer beim Trampen. Das wollte ich gerne mit dem Medikament vermeiden. Ging aber nicht und so tröste ich mich, dass der Koffer absolut unpraktisch beim Trampen ist und ich 90 % davon nicht brauche 😁 und ich halt ein offenes Haus bin. Irgendjemand wacht da oben über mich und hilft. weil er sieht, dass etwas Unterstützung nicht schaden könnte..
    @bene: Zeit meines Lebens, es Anderen alles Recht machen wollen. Gefallen wollen. Haargenau so!! Da hat nur MS mir raus geholfen. Ich bin dankbar dafür. Reiss dich mal zusammen. Original die Worte des Mannes zu dem ich vor 20 Jahren mal „Ja!“ gesagt habe. Und ich habe „Nein!“ gesagt.Ich mache jetzt mir Sachen Recht. Behandle zuerst mich gut und wenn ich Kraft habe die Anderen. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt erst merke, wer ich eigentlich bin.
    Liebe Grüße Andrea

  14. Ihr Lieben, ich bin einfach überwältigt von dem, was ihr hier geschrieben habt. Auch wieviel Persönliches ihr mit allen teilt, einfach wunderschön. Andrea sprach es im obigen Kommentar an, ob auch ein privater Austausch vorgesehen ist: Wenn ihr das möchtet und beide Seite einverstanden sind, dann kann ich das gerne arrangieren! Bitte kommentiert euch einfach gegenseitig, so dass beidseitiges Einverständnis für die Weitergabe der Email-Adresse besteht und ich connecte euch.

    Ich selbst muss gerade übrigens ein paar Probleme beackern, über die ich auch bald blogge – daher genieße ich vorerst in stiller Dankbarkeit eure Erfahrungen und werde mich später dazu konkret äußern.
    Frohe Ostern euch allen 🌸

  15. Hm, 217 Punkte ist jetzt nicht so arg viel, aber ein guter Zuhörer war ich schon immer – natürlich nicht, ohne dann auch „meinen Senf“ dazu zu geben 😏

    Ach Sabine, sieh es als Gabe an – das sich-in-andere-einfühlen-können hilft bei deiner Arbeit ungemein, du darfst nur deine Pausen für DICH nicht vergessen 💓

    Ich hatte das auch schon in Hamburg gemerkt, welch feinfühliger Mensch du bist.. das macht doch noch liebenswerter!!

    DANKE 😘

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