Sauberes Essen

So, das neue Jahr ist angelaufen, die ersten Prospekte mit Fitness-Geräten und Abnehm-Produkten im Umlauf. Herrlich, oder? NOT! Same procedure as every year. Zum Weglaufen. Allein schon deswegen fällt es mir gerade total schwer, ohne Ironie und schwarzen Humor über das Thema Clean Eating zu schreiben, aber es haben mich jetzt so viele darauf angesprochen, dass ich diesem Wunsch gerne nachkomme.

Ich möchte damit aber bitte nicht in dieser Abnehm-Schiene fahren, denn die finde ich grauenvoll. Bitte liebt und akzeptiert eure Körper, egal, ob sie nun dem vielzitierten Ideal entsprechen oder nicht. Dieses Ideal ist Menschen-gemacht und hat überhaupt keine Bedeutung.

Deswegen zuerst noch einmal, auch wenn ich mich wiederhole: Clean Eating ist keine Diät! Das ganze ist eher ein Ernährungsstil oder -Konzept, wenn man so will. Im Grunde setzt es viel viel früher an und verhindert, dass man sich überfrisst und infolge dessen eine Diät machen möchte. Ich habe übrigens aber tatsächlich auch ein paar Kilos verloren. Das ist einfach so nebenbei passiert, weil ich ungesunde Fette und Zucker infolge des Clean Eatings weggelassen habe.

Und zweitens möchte ich betonen: Auch ich esse, was ich will. Der Unterschied zu all denen, die sich konventionell ernähren, ist, dass ich einfach keine Lust mehr auf ungesunde Sachen habe. Nein, ich hatte keine Gehirnwäsche. Nein, ich unterliege nicht dem Druck irgendeiner Industrie und nein, für mich hat das nichts mit Verzicht zu tun.

Die meisten reagieren so, wenn ich von meiner Ernährung erzähle: „Also für mich wär das ja nichts, ich will essen, was ich will.“ – Ja, das ist schön. So soll es auch sein. Ich finde, jeder soll ganz unbedingt essen, was er will. Und nicht, was er denkt, essen zu müssen aufgrund irgendwelcher Diäten.

Der Unterschied liegt im Detail.

Ich will gar keine Schokolade mehr. Ich will keine Chips mehr. Ich will keine Fast-Food-Burger mehr. Ich habe einfach überhaupt kein Verlangen mehr danach.

Und dann sind wir an einem Punkt, wo mich wirklich fast alle, die das noch nie erfahren haben, für völlig abgehoben halten. Es klingt ja auch wirklich irgendwie .. merkwürdig? „Du unterliegst doch dem Gesundheitswahn“ – wird mir vorgeworfen, whatever the hell that is (darüber habe ich schon einen feurigen Text geschrieben, den ich mich gar nicht traue zu posten 🙈😃).

Es ist aber wirklich wahr, dass ich seit längerer Zeit schon kein Bedürfnis mehr nach großen Zuckermassen habe – und oh, was war ich früher Schokoladen-süchtig! Und ebenso wenig macht mich die Pizza-Lieferdienstwerbung an – ein schönes Ritual noch vor ein paar Jahren zum Samstagabend. Mein komplettes Verlangen nach Brot, Nudeln oder anderen Weizen-Teigwaren hat sich minimiert. Ich esse ab und zu mal Vollkornbrot oder mein liebstes Roggen-Vollkorn-Knäcke. Und Nudeln sind jetzt viel lieber entweder aus Vollkorn- oder noch besser aus Linsen- oder Kichererbsenmehl. Pizzateig machen wir schon lange selbst und experimentieren da mit den unterschiedlichsten Sachen.

An dieser Stelle ist gar kein Platz, euch im Detail alles zu erzählen. Aber hier mal ein kleiner Einblick in meinen Clean Eating Alltag:

Frühstück

Die wichtigsten Zutaten: Haferflocken, frische Früchte, Nüsse und Samen. Denn zum Frühstück mache ich mir jeden Morgen ein frisches Porridge. Overnight Oats habe ich auch mal ausprobiert, aber mir bekommt das warme Porridge wesentlich besser. Heute gab es zum Beispiel eine halbe Banane dazu, einen halben Apfel, etwas Apfelmark, Zimt, Haselnüsse und einen Löffel Hanfsamen.

Mittagessen

Für’s Büro bereite ich mir im selben Zuge dann morgens meistens einen Salat vor. Dafür koche ich auch ab und zu Zutaten am Vortag, die länger brauchen, z.B. Süßkartoffeln, Linsen oder Quinoa etc. Oder es bleibt mal was übrig vom Abendbrot (was aber eher selten vorkommt, ich habe einen sehr hungrigen Ehemann 😊). Im Grunde dauert es dann nur wenige Minuten einige Gemüsesorten zu waschen, zu schneiden und alles zusammen zu werfen.

Snacken

Mir reichen drei Mahlzeiten nicht immer, es kommt drauf an, wie beschäftigt ich bin. Je mehr Langeweile, desto mehr muss ich zwischendurch essen. Dafür schneide ich mir oft Rohkost (ja, ich weiß, zusätzlich zum Salat .. ich bin ein totaler Gemüse-Freak 😇) oder backe einmal die Woche Protein-Kekse oder mache Energie-Balls, Müsliriegel oder sowas in der Art. Wenn ich zuhause bin, esse ich oft auch einfach ein paar Scheiben Roggenknäcke oder Süßkartoffeltoast mit Avocado. Yum!

Abendessen

An den meisten Abenden kochen wir was Schönes. Ein toller Blog mit richtig leckeren Rezepten ist zum Beispiel dieser hier: ellerepublic.de

Für Inspiration bin ich ziemlich viel auf Pinterest unterwegs und sammle Rezepte. Manchmal reicht die Zeit oder Energie aber doch nicht für etwas Warmes, dann esse ich Vollkornbrot mit verschiedenen Belegen, zum Beispiel einem selbstgemachten Hummus oder Linsenaufstrich oder sowas.

Drinks

Getrunken habe ich eigentlich schon immer am liebsten Wasser. Cola und Säfte sind eher die Ausnahme gewesen. Von daher musste ich mich nicht groß umstellen. Neu ist mein Zitronenwasser am Morgen, was mich auf Touren bringt. Und außerdem bin ich schwer verliebt in  grüne Smoothies oder selbstkreierte pflanzliche Reisprotein-Shakes (durch den Sport motiviert, dazu vielleicht ein anderes Mal mehr). Naja und Kaffee natürlich .. der ist geblieben.

Ganz generell muss man vielleicht noch anmerken, dass ich mich nicht dogmatisch an alle „Regeln“ halte. Denn wie schon am Anfang gesagt: Ich esse, was ich will. Und wenn das nun grad nicht ins Clean Eating-Konzept passt, ist mir das wurscht. Das große Ganze ist das, was für mich zählt, und die Sachen, die eigentlich nicht dazu gehören, werden immer weniger.

Ich hoffe, damit konnte ich euch einen kleinen Einblick geben, bevor ich mich jetzt gänzlich verliere und euch langweile 🙂

Alles dreht sich um Ernährung

Gebt mir gerne Feedback, ob ihr euch weiter für Clean Eating interessiert. Ernährung polarisiert unheimlich momentan habe ich das Gefühl. Und das sollte nicht so sein. Es ist einfach eine ganz individuelle Wohlfühl-Entscheidung, genauso wie das auch mit einer MS-Therapieentscheidung ist! Ich finde es wirklich schade, dass viele einfach so unreflektiert losplappern, wenn es um Ernährungsformen geht.

Also falls ihr drüber nachdenkt, etwas zu ändern egal in welcher Form, behaltet zwei Dinge im Hinterkopf:

Erstens: Werdet euch über die Gründe und/oder Ziele bewusst. Fragt euch, warum ihr etwas ändern wollt. Was erhofft ihr euch? Und dann hinterfragt nochmal, ob diese Gründe aus euch heraus kommen. Wann ja, prima. Los geht’s. Wenn nein: Lasst euch nicht von der Welt verändern oder von außen unter Druck setzen. Das wird auf lange Sicht keine Früchte tragen.

Zweitens: Die Leute werden euch verurteilen. Sie werden eine Meinung zu etwas haben, von dem sie keine Ahnung haben (können), nämlich zu eurem Körpergefühl. Sie werden euch unterstellen, dass ihr einfach nur irgendwelchen Trends folgt und Sklaven der Industrie seid. Aber werdet euch darüber bewusst, dass sie in den meisten Fällen einfach nur ein Problem mit sich selbst haben. Außerdem muss man sich doch fragen, wer von wem abhängig ist, wenn man irgendwelchen unnatürlichen Heißhungerattacken unterliegt?

7 thoughts on “Sauberes Essen

  1. Zunächst: EIN SUPERGUTES NEUES JAHR 2017 in bestmöglicher Gesundheit für Dich, liebe Sabine und für uns alle!!!
    Danke für Deine Worte zu Clean Eat, die ich gänzlich teile! Selber trage ich einige Pfunde zuviel rum, habe infolge Trennung/Scheidung im Jahr 2000 fast 30 kg abgenommen, was ich bis heute gut halten kann. Etwas zuviel ist es aber noch… Aber ich habe gelernt, meinen Körper zu mögen und zu akzeptieren, war er doch 46 Jahre (scheinbar) top-gesund: Liess mich nie im Stich, war kraftvoll und geistig wie körperlich unglaublich belastbar und ER war rundum eine Freude!
    Mittlerweile ist es leider anders, mein Geist muss meine Einschränkungen akzeptieren, was meist gelingt, aber trotzdem schwer bleibt. Gerne will ich weiter abnehmen – wenn das nur schwer klappt, wg. dieser Unbeweglichkeit – HEY, hab ich keine anderen Probleme!???
    Ich rauche seit 16 Jahren nicht mehr, bin viel schlanker als früher, konnte meine Fröhlichkeit erhalten, habe vor 4 Jahren einen wunderbaren Mann kennengelernt, den ich im Juni 2015 heiratete, nachdem wir 2014 unsere tolle Wohnung kauften…
    Also so oder so bin ich doch ein Glückskind – trotz Übergewicht und MS!

    In diesem Leben kommt niemand ungeschoren davon – so ist Zufriedenheit das höchste Gut!!!

    In diesem Sinn – alles Liebe!

  2. Hallo Sabine, juhu und endlich!!! Hab mich sehr gefreut über deinen Beitrag zum Thema Clean Eating! Auch über deine Einstellung mit Regeln umzugehen und mit dem Thema andere Meinungen. Was hat sich für dich geändert was deinen Gesundheitszustand betrifft??? Ich frage so genau, weil ich letztes Jahr auf einen Buchtipp von JuSu mit Paleo für MSler nach einer amerikanischen Neurologin begonnen habe. Ich war fit und wacher als vorher. Die Diskussion mit meiner Neueolgin ob Paleo (esse morgens allerdings auch Porridge mit Obst, passt besser zu mir) in Kombination mit TCM gegen aktuell auftretende Symptome für mich besser sein könnten als eine traditionelle Basistherapie führe ich gern. Sie ist offen und wir versuchen aktuell diesen Weg. Obwohl die Leitlinien klar eine medikamentöse Behandlung empfehlen. Ich warte das MRT ab (hatte dir vorgestern kommentiert 😇). Es wird neue Herde zeigen, aber vielleicht kann ich den Verlauf für die Zukunft positiv beeinflussen, auch durch das richtige Essen. Derzeit muss ich wieder über die Hürde hüpfen und meinen Zuckerhunger verlieren (Weihnachtsmarkt und ein Urlaub in Frankreich hat mich rausgebracht – na eigentlich meine mangelnde Disziplin wenn ich ehrlich bin) arbeite daran. Deshalb würde ich mich freuen, wenn du ab und zu etwas über deine Ernährung schreibst! Auch was es dir für dein Körperfefühl bringt oder die MS, wenn du magst. Es ist leichter sich auszutauschen, wenn das Ziel ein ähnliches ist. Gesundheit! 🌞 Alles Liebe für dich und euch alle, Kati

  3. Liebe Sabine, auch von mir ein frohes, neues Jahr, mit vielen sorglosen, sonnigen Stunden ☀️
    Danke für deinen tollen Bericht zu clean eating… versuche schon lange so zu essen und sage, genau wie du.. Klassisches Fast Food ist unsexy geworden… gut bis auf Popcorn 😇
    Sitze grad am Flughafen auf dem Weg nach Florida.. hoffe, dort genügend leckeres zu finden😉
    Liebe Grüße, Anne -Christin

  4. Hey liebe Sabine,

    du sprichst mir ja sowas von aus der Seele von wegen dass man plötzlich einfach gar keinen Bock mehr hat auf die ungesunden Sachen. Auch ich hab mir da schon oft blöde Sprüche anhören müssen von wegen dass ich ja eine ach-so-strenge Diät halte und mitleidige Blicke ertragen müssen – wenn doch gar kein Mitleid nötig war – nur weil ich die üppige Torte echt einfach gar nicht essen „musste“ bzw wollte.
    Das alles kommt einfach von selbst wenn der Körper Dinge wie raffinierten Zucker erst mal nicht mehr gewöhnt ist oder wenn man sich – bevor man dieses oder jenes in sich hineinschaufelt – einfach mal ganz bewusst überlegt wie man sich wohl danach fühlen wird.

    Ich bin vor ein paar Jahren mit dem „The Bodybook“ von Cameron Diaz auf das Thema gestoßen (und jaja, man denkt zunächst uuuh schon wieder ein Buch von einem Celebrity, aber das kann man echt weiterempfehlen! Sie weiß offenbar wovon sie schreibt!). Und auch hier geht’s absolut nicht um abnehmen und dünn sein, sondern um den Wohlfühlfaktor. Man ist was man isst. Is so. Punkt. 🙂

    Würde mich jedenfalls sehr freuen wenn das Thema Clean Eating von dir noch ganz oft zum Thema gemacht wird. 🙂

    Alles Liebe und viele verschneite Grüße aus Österreich,
    Claudia

  5. Seit gut 2 Wochen ernähre ich mich jetzt deutlich gesünder, viel Obst, Gemüse, vermeide Industriezucker soweit es geht, achte auf Zufuhr von Vitaminen und diversen Nährstoffen usw. aber es ist erst der Anfang, der Prozess geht weiter also wird es keine radikale Veränderung für mich sein.

    Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass ich die ersten 2-3 Tage extremen Heißhunger auf Süßes und Salziges hatte und das obwohl ich bisher nicht ständig davon gegessen hatte. Ein Stück 89% zart bitter Schokolade hat mir die anfänglichen Probleme erleichtert. Seither habe ich gar keine große Lust mehr auf Süßigkeiten oder Chips (ich liebe eigentlich Chips!). Aber, und das hast du auch gut erklärt, ich möchte nicht verzichten wollen. Wenn mir dann doch mal nach Chips ist, dann ist es halt so. Der Unterschied wird sein: Dass ich jedes einzelne Kartoffelchips mit höchstem Genuss essen werde und die Tüte nicht im Nu leer sein wird, also achtsamer essen. Kaffee beispielsweise trinke ich sehr selten und wenn, dann muss da Zucker rein.
    Was ich jetzt schon sagen kann: Ich fühle mich wacher, meine Haut sieht gesünder aus, und was etwas komisch klingt: ich hab sogar das Gefühl dass ich besser sehen kann.
    Liebe Grüße 😉

    1. Wow, das sind ja schon richtig viele Erfolge nach so kurzer Zeit!!! Richtig cool, freut mich sehr! Du machst das genau richtig .. lass es dir Spaß machen, Schritt für Schritt neue Dinge wegzulassen und auszuprobieren. Das kommt alles von alleine 🙂
      Viel Erfolg weiterhin 😀

  6. Hallo, schöner Artikel, danke. Ich mag das Wort Clean Eating zwar so gar nicht, aber inhaltlich siehst Du das ja genauso 😉 Mir geht es auch so, dass ich die meisten ungesunden Sachen einfach gar nicht mehr mag. Wobei ich immer ein Fan von deftigem Essen war und bin und im Winter regelmäßig Heißhunger auf Hausmannskost bekomme, inkl. fettigem Fleisch wie Gänsekeule – uaaah. Dem geb ich dann auch in Maßen nach und dann ist wieder gut. Irgendwie braucht mein Körper das wohl in den kalten Monaten.
    Ich habe mir gerade auch ein paar Deiner 1000 Gesichter Filme angesehen – ist echt toll und hilfreich, was Du da machst! Vielen Dank und liebe Grüße, plejade (Diagnose seit 2012, MS seit mindestens 2002)

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