Was ist dein Ziel?

Nach dem letzten Post Einmal Reset, bitte hat mich eine meiner treusten Leserinnen über Facebook kontaktiert und mir eine lange Nachricht geschrieben, der folgende Frage zugrunde liegt: „Was ist dein Ziel? Mit all dem, was du so machst, Kalari, Meditation, Panchakarma – wo möchtest du hin? Wovon genau lässt du dich reinigen?“

Darüber muss ich eigentlich nicht lange nachdenken, um ehrlich zu sein. Mir stellt sich eher die Frage danach, wie ich das in Worte fassen kann.

Im Grunde ist es ganz einfach. Ich will ein Leben aus dem Herzen heraus führen, voller Leichtigkeit und Freude. Ein Leben im Fluss, ein Leben das geprägt ist von Bewusstheit. Frei von den Illusionen, die mir bisher von außen gegeben wurden und die mein Verstand als „Wahrheit“ zusammengepuzzelt hat.

Meine Leserin schreibt „..das alles macht man nicht einfach so aus Neugier.“ – Nein, da hat sie vollkommen recht. Diese ganzen Dinge schmeißen mich täglich aus der Komfortzone. Das ist zuweilen ziemlich unbequem. Aber mit jedem Schritt spüre ich eine Veränderung und vor allem spüre ich, dass es richtig für mich ist, was ich gerade tue.

Die Kraft und Motivation für diese neue Art zu leben, kommt irgendwo anders her. Ich kann euch nicht sagen, wo. Aber diese Energiequelle ist nicht wie die, die ich sonst angezapft habe. Dieser Spruch „die Batterien sind alle“ trifft auf sie nicht zu.

All diese Veränderungen haben so großartige Dinge bewirkt. Für mich manchmal immer noch kleine Alltagswunder. Für meinen Mann im Übrigen auch .. er sitzt von Zeit zu Zeit immer noch erstaunt vor mir und kann es irgendwie auch immer noch nicht glauben, dass das nun der neue Dauerzustand sein wird.

Ein Zustand von Gelassenheit und Ruhe. Oft hüpfend glücklich. Und wenn mal nicht freudestrahlend, dann zumindest mit einem ruhigen Lächeln. Das künstliche Drama, was ich mir im Kopf so oft erschaffen habe, stirbt mit jeder Woche der Meditation ein Stück mehr. Eine neugewonnene Art von Liebe durchströmt mein Leben. Ich kann ganz anders dankbar sein. Ich kann meine Umwelt und Mitmenschen anders annehmen. Übe mich in Wertfreiheit. Die Zeit bekommt eine neue tiefe Dimension, in dem ich mich so oft es geht in den Moment hole, achtsam bin.

Die MS? Hat ihre Wichtigkeit verloren. Ja, sie war die letzten Jahre wichtig für mich, tatsächlich. Sie hat viele Prozesse angestoßen, mir immer wieder neue Arschtritte versetzt. Ich habe sie gebraucht, denn sie hat mich aus dem Hamsterrad geschubst. Aber nun werde ich nicht zu denjenigen gehören, die aufstehen, ihr Krönchen richten und wieder zurück ins Hamsterrad steigen. Bis sie die MS dann erneut herausschubst.

Denn am Ende ist Krankheit, ob es nun MS oder sonst was ist, einfach nur ein Zeichen unseres Körpers, das da gerade was nicht gut läuft in unserem Leben. Das im ersten Schritt zu erkennen und im zweiten dann auch wirklich etwas zu verändern: Das liegt in unserer eigenen Verantwortung.

Ich schreibe so oft in den letzten Wochen und Monaten, dass ich Dinge loslasse, von denen ich merke, dass sie nicht mir gehören und mir nicht guttun. Das ist eine Art Seelen-Entrümpelung. Und alles, was ich angefangen habe, unterstützt diese Seelen-Entrümpelung: die ayurvedische Tagesroutine, Kalari, Meditation. Aber das ist natürlich auch nur ein Weg von vielen. Fakt ist: In der Welt, in der wir groß geworden sind, glauben wir vieles zu sein, was wir nicht sind.

Um sich davon zu lösen (und erstmal lösen zu wollen) braucht es einen gewissen Impact. Die MS-Diagnose an sich war da erstmal nur ganz nett in meinem Fall. Sie hat definitiv nicht ausgereicht. Ich musste erst diesen Schub vor ein paar Monaten bekommen, der mir das weggenommen hat, was mir bisher am teuersten war: meine geistige Leistungsfähigkeit. Das hat mich vieles erkennen lassen – vom Thema Anhaftung über Vergänglichkeit, Achtsamkeit und Selbstliebe bis hin zur allumfassenden Frage „Wer bin ich?“

8 thoughts on “Was ist dein Ziel?

  1. Ich weiß absolut was du meinst. Mein Prozess ist zwar niemals schon so weit wie deiner, aber ich merke, dass es ne gute Richtung für meinen Weg ist. Meinen persönlichen Weg, der mich absolut glücklich und dankbar werden lässt und mein Leben so wunderbar macht.
    Ich drück dich,

    Becky

  2. Wieder mal ganz ganz toll in Worte gefasst!
    Ich fühle mich jetzt auch schon immer öfter so, als hätte ich irgendwie bisher ein Fake-Leben geführt und fälschlicherweise gedacht, es wäre echt. Schritt für Schritt lerne ich nun dieses neue Leben kennen und ich bin ganz vernarrt in diese vielen neuen Erkenntnisse und Erlebnisse :))

    Nur musste ich mich erst mal daran gewöhnen, dass mein Umfeld dafür nicht so viel Begeisterung aufbringen kann, andere verstehen es halt einfach nicht. Immerhin mein Partner hat immer ein offenes Ohr, freut sich und staunt mit mir 🙂

    Wünsch dir weiterhin alles Gute, du bist mir echt ein großes Vorbild!
    Claudia

    1. Ja, da sagst du was – Deva hat es damals so beschrieben, dass man plötzlich anders schwingt als seine gewohnte Umgebung. Daran muss ich mich auch immer noch gewöhnen. Auch ich hab das Glück, dass mein Mann mir ganz viel Raum gibt, wie beschreibst, immer ein offenes Ohr hat und Freude & Staunen teilt, und wir entwickeln uns zusammen da total schön weiter, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen.

      Bei Freunden und Familie sieht es anders aus, da ist wie bei dir auch wenig Begeisterung oder Verständnis da. Aber auch das ist ok. Wie du sagst, man muss sich daran gewöhnen und es auch annehmen.

      Das Tolle ist, dass ich merke, dass nur durch meine Veränderung ich ganz viele aus meinem Umfeld mitnehmen kann, ohne aktiv etwas zu tun. Also ohne, dass ich groß drüber rede oder sie zum Beispiel diesen Blog lesen. Es passiert einfach dadurch, dass ich mich anders verhalte.

      Danke für deinen Kommentar 🌷 Liebe Grüße!

  3. Toll beschrieben! Als wärst du aufgewacht und könntest viele Dinge besser verstehen. Ich freue mich für dich! 🙂
    Deine Sichtweise, was die MS angeht (in deinem 3. letzten Abschnitt), das sehe ich momentan auch so. Bin mir aber nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Ich sehe darin irgendwie genauso einen Teufelskreis.
    Vielleicht ist es besser, erst gar nicht zu bewerten. Einfach geschehen und sein lassen (ich meine damit nicht den Verzicht auf medizinische Hilfe). Ich meine damit zu lernen, einen Schub oder eine Verschlechterung anzunehmen, ohne mich damit zu beschäftigen welches Zeichen dahinter stecken könnte und was mein Ziel sein könnte, um es zukünftig zu verhindern. Denn damit würde ich mich erneut unter Druck setzen oder mir oder meiner Lebensführung die Schuld geben, wieder ein Teufelskreis. Denn selbst mit einem höheren Bewusstsein und einer Lebensführung mit Achtsamkeit und Zufriedenheit gefüllt, kann es zu einem Schub oder einer Krankheit kommen. Oder nicht? Und wenn doch, was dann? Die Krankheit ist nun mal da. Da passt der Satz, der jemand in deinem Film gesagt hat: „Es ist so, wie es ist.“ Ganz liebe Grüße 😉

    1. Liebe Mia, also ich stimme dir zu, dass es auch mit einem höheren Bewusstsein etc. zu Krankheit kommen kann. Denn wir können den Körper ja nicht komplett kontrollieren.

      Ich finde, wenn ein Schub oder Verschlechterung passiert, sollte man es einfach wahrnehmen, es beobachten. Der Teufelskreis und die „Schuld“ und all das, was du beschreibst, hat für mich nichts damit zu tun, dass ich darauf höre, was mein Körper mir sagen möchte.
      Ich empfinde keine Schuld, wenn ich jETZT fühle, dass etwas nicht stimmt. Ich gehe nicht in die Vergangenheit und schaue „Oh, was habe ich nur falsch gemacht!“ – Das ist toxisch, da gebe ich dir recht.

      Aber ob du diese Schuld empfindest, das liegt in deiner Hand! Ich empfinde das nicht so. Zum Beispiel: Wenn ich merke, dass sich ein altes Handlungsmuster zurückgeschlichen hat in mein Leben, dann bin ich für den Moment dankbar, an dem ich es erkenne und nun wieder bewusst anders machen kann. Da kommt keine Schuld, keine Gedanken an die Vergangenheit.

      Was bei mir eher kommt, ist Ehrgeiz. Aber auch das ist nicht gut und ich befreie mich regelmäßig in der Meditation von ihm. Ich weiß nicht, inwiefern du dich auch schonmal mit dem Thema „Ego“ auseinandergesetzt hast.. und will an dieser Stelle keine Abhandlung darüber schreiben.

      Auf jeden Fall: Ja, bewerten braucht man nicht. Aber irgendetwas verändern zu wollen auf Basis des Ist-Zustandes einer Krankheit – das hat für mich noch nicht so viel von bewerten. Das ist für mich Eigenverantwortung übernehmen. Die Bewertung fängt dann, wenn es um Druck, um Schuld und Ehrgeiz und all das geht.. aber das ist hausgemacht. Du kannst auch Dinge verändern, ohne all das zu empfinden. Und wenn dein Herz dir ganz klar sagt, was gerade dran ist: warum weghören?

      Danke für deinen Input, ich finde es soooo schön, mit dir über solche Fragen zu philosophieren 😀 Liebe Grüße!
      Sabine

      1. Hi Sabine, danke dass du nochmal drauf eingegangen bist. Finde deine Ansätze sehr interessant. Ja mit dem Thema Ego hab ich mich mal vor längerer Zeit auseinandergesetzt. Vieles, was zur Entwicklung eines Ego beiträgt entsteht ja aus der Erziehung… Selbstbestimmung, Fremdbestimmung… Habe gestern ein altes Buch „Lebenskunst“ von einem Psychologen rausgekramt.

      2. Vieles lese ich jetzt mit einer anderen Perspektive. Auch Ehrgeiz ist bei mir sehr stark ausgeprägt und was ich nie als negativ gesehen habe, im Gegenteil. Jetzt aber, wenn ich mir Gedanken darüber mache, verstehe ich. Und klar ist, dass Ehrgeiz mit dem Ego zusammenhängt… Kann ich nur zurück geben, könnte noch unendlich mit dir weiter philosophieren 😉 Liebe Grüße und ein schönes Wochenende an alle!

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