Wellenreiten lernen 

Habt ihr schonmal erlebt, dass Glück blubbert? In den letzten Meditations-Sessions ist so viel Glück in mir hochgeblubbert, dass ich teilweise laut loslachen musste vor Freude.

Als Kind hatte ich so eine Wassersäule. So ähnlich fühlt sich das grad an. Ich stehe immer noch ganz am Anfang und sehe mich in der ersten Einschalt-Phase der Säule. Da gab es immer zwei drei große Blubbs, bevor  kleinere aber kontinuierlich strömende Blubberbläschen nach oben stiegen. 

Eigentlich bezeichne ich mich hier ja schon seit Jahren als glücklichen Menschen. Weil ich das Leben schätzen gelernt habe. Ja, hab ich auch. Ich bin auch irgendwie glücklich – zumindest habe ich für vieles die Augen geöffnet und genieße viel mehr. Aber dieses Glück und diese Freude, die ich gerade erfahre, geht so durch und durch .. das fühlt sich einfach anders an. Intensiver. Purer.

Ein Beispiel aus meinem Alltag: Über die Jahre habe ich mich – weiß Gott warum – zu einem Morgenmuffel entwickelt. Bloß nicht ansprechen, war die Devise. Und nun ist es eine so lustige Erfahrung, morgens aufzustehen und sich nach der Meditation unbeschwert und fröhlich zu fühlen. Normalerweise brauche ich immer ganz dringend Musik, um morgens in Schwung zu kommen. Momentan gibt es keinen einzigen Song, der mein hüpfendes Herz unterstützen könnte, jedes noch so Gute-Laune-Lied könnte nicht dagegen anstinken. 

Also singe ich. Einfach so. Irgendwas. Manchmal singe ich einfach, was ich gerade tue, also führe Sing-Selbstgespräche. Oft auch auf Englisch, wenn mir dabei ist (stellt euch einfach vor, wie ich vorm Herd stehe und trällere „Oooh yeeeeah, I’m gonna maaaake the beeeeeest porridge in the wooooorld todaaaaay..“). Ja – ich weiß – ziemlich bekloppt. Ich muss auch echt oft über mich selbst lachen, weil ich mich verhalte wie ein verliebter Teenager. Mich überkommt zum Beispiel immer so ein Bedürfnis des Drückens und Knutschens, wenn ich meinen tollen Mann sehe. Er sagte erst gestern noch: „Echt toll, deine gute Laune – ich muss nur noch das Drogenversteck finden.“ 😂

Glück blubbert grad einfach aus mir heraus. Es kommt von innen. Das erlebe ich in diesem Maße zum ersten Mal so bewusst. Es ist nichts, was man mir von außen gegeben hat. Es kommt nicht durch Lob, weil ich einen tollen Film gedreht habe. Nicht durch meine Lieblingsmusik, die mich zum Tanzen bringt. Nicht durch ein Kompliment für eine tolle Klamotte oder Frisur. Oder dadurch, dass das Wetter toll ist. Die Außenwelt hat nichts mit diesem Glück zu tun. Nein, es entsteht in mir.

Und das macht es so fantastisch gut und unfassbar strahlend.

Ja, ich hab grad einen Schub. Aber das Leben fühlt sich grad so gut an. So leicht und so spielerisch. Da ist nichts in mir, was gerade genervt oder sauer oder traurig oder ängstlich ist wegen der MS.

Auch wenn das alles jetzt erst der Anfang ist und ich noch viel viel vor mir habe, freue ich mich einfach auf alles, was kommt. Täler und Berge.

Eben das Wellenreiten lernen.

3 thoughts on “Wellenreiten lernen 

  1. Guten Morgen ☀️
    Ich will da eigentlich nicht viel zu schreiben außer: Ich weiß so sehr was du meinst 😄
    Bin froh nicht die einzige „bekloppte“ zu sein 😁
    Sonnige Grüße Bibi 🙋🏼

  2. Du sprichst mir aus dem Herzen oder aus der Seele, eben beides :).
    Hatte auch gerade einen Schub, aber mir gehts nach der ersten Traurigkeit darüber auch so, das Wellenreiten macht tatsächlich auch Freude. Dank Dir für den schönen Text!

  3. Liebe Sabine,
    es tut so gut deinen Text zu lesen!😊 Ich freue mich für dich, und
    wünsche dir, das die Blubberblasen nie aufhören!
    Liebe Grüße, Anne-Christin

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