Aber bitte ohne Sahne!

Momentan feiere ich ein kleines Jubiläum. Ja, ich feiere – auch wenn diese Formulierung dem ein oder anderen im folgenden Zusammenhang übertrieben vorkommen mag. Um diese Zeit vor einem Jahr habe ich nämlich angefangen, mich nach dem Konzept des Clean Eatings zu ernähren. Warum das so sensationell für mich ist? Weil ich mich noch nie länger als sechs Monate an etwas halten konnte, was ich im Bereich der Ernährung so alles ausprobiert habe. Und die Liste ist lang.

Clean Eating Ernährung: Frühstücksbeispiel
Frühstück: Beeren-Porridge mit Banane und Chia-Sonnenblumenkern-Topping

Clean Eating also. Klingt so neumodisch und ist doch so unspektakulär: Frisch, möglichst naturbelassen, vollwertige Kost – keine leeren Kalorien wie raffinierten Zucker oder Weißmehl und keine schlechten Fette. BÄM. Ziemlich simpel.

Es ist keine Art der Diät, auch wenn viele das irgendwie sofort damit assoziieren, wenn ich sage, dass ich keinen Industriezucker zu mir nehmen möchte. Clean Eating ist wie gesagt ein Ernährungskonzept.

Und es hat für mich gar nichts von stressproduzierendem Verzicht, wie das bisher bei all den anderen Experimenten der Fall war. Und ich bin da auch gar nicht so fürchterlich streng mit mir. Es hat sich einfach ganz langsam und von alleine entwickelt, dass ich mich immer mehr und mehr danach richte. Mir ist es extrem wichtig, dass ich mich zu nichts zwingen muss, sonst kann man den positiven Effekt in die Pfeife rauchen meiner Meinung nach.

Dieses neue Denken in punkto Essen und Trinken hat nicht nur mein Konsumverhalten verändert, was Lebensmittel anbelangt. Es hat noch viel viel mehr überraschende Auswirkungen auf meinen Alltag gehabt. Ich habe tatsächlich jetzt jeden Abend das Bedürfnis, etwas Frisches zu kochen.

Meine Mutter würde jetzt sagen: „Wie jetzt, ja und? Was hast du denn vorher gemacht?“ Na ganz einfach: unterwegs mal eben was vom Bäcker geholt. Take-Out vom Asia-Laden an der Ecke mitgebracht. Bestellung bei einem der zahlreichen Lieferdienste aufgegeben. Da bekomme ich schon einiges zusammen. Essen zu beschaffen ist ja nun wirklich die kleinste Übung heutzutage. Zum Einkaufen und Kochen war ich nach der Arbeit oft viel zu geschafft und habe den Nutzen dieses Kraftaktes nicht gesehen.

Ehrlich gesagt hatte ich damals nicht damit gerechnet, dass ich beim Clean Eating bleibe und eines Tages darüber schreibe. Deswegen kann ich mich auch nicht mehr detailliert an die Anfänge erinnern und wie ich die Umstellung geschafft habe. Fakt ist, dass es überhaupt kein Thema mehr ist, nach der Arbeit den Kochlöffel zu schwingen. Im Gegenteil: Es ist jetzt zu einer Feierabend-Routine geworden, die mich wieder erdet. Mich beruhigt und den Tag gemütlich ausklingen lässt.

Clean Eating Ernährung: Mittagsbeispiel
Mittags-Snack: Getoastete Süßkartoffel-Scheiben mit Avocado und Hüttenkäse

Seelenfutter

Früher hab ich oft Dinge gegessen, von denen ich mir eingeredet habe, „dass ich sie jetzt einfach mal brauche und mir gönne“ – ja, genau, eine Tafel Schokolade oder eine große Tasse Kakao mit Sahne oder Marshmallows. „Comfort Food“ – wie es die Welt auch liebevoll nennt.

Seit ich die MS im Nacken habe, denke ich sowieso schon mehr nach, wenn ich solche Sachen in mich reinstopfe. Die entzündungsfördernde Wirkung von Arachidonsäure ist ja kein Märchen. Inwiefern Ernährung mit dem Verlauf der MS zusammenhängt, lass ich bewusst mal offen, weil es mir hier nicht um Studien oder sonstiges geht. Trotzdem war ich mir schon klar darüber, wenn ich für meinen Körper ungesunde Sachen konsumiert habe. Weil mein Gehirn das nunmal so wollte. Das schlechte Gewissen war vorprogrammiert und hat auch nie lange auf sich warten lassen.

Wenn ich heute vor meinem Abendessen sitze – gestern gab es zum Beispiel geröstete Süßkartoffeln mit Hirse, Kichererbsen und Granatapfel – dann freu ich mich mit jedem Bissen, dass ich meinem Körper grad etwas richtig Gutes tue. Und das drei bis viermal am Tag. Auch ein echt guter Nebeneffekt: mindestens vier Momente, sich täglich hervorragend zu fühlen.

„Boah, das wär mir viel zu anstrengend!“

Nein, es ist nicht anstrengend. Der Mensch ist einfach nur ein Gewohnheitstier. Und es scheint natürlich anstrengend zu sein, jeden Abend eine frische, selbstgekochte Mahlzeit auf den Tisch zu bringen, wenn man es jahrelang anders gemacht hat. Oder sich zu informieren, mit welchen tollen Lebensmitteln man raffinierten Zucker ersetzen kann. Aber am Ende ist das alles eine Sache des Willens und der Organisation. Und wenn man sich einmal umgestellt hat, ist überhaupt nichts mehr anstrengend. Größtenteils besteht der Unterschied darin, dass man andere Lebensmittel einkauft.

Beispiel. Was ist denn anstrengend daran, anstatt dem zuckrigen Knusper-Müsli naturbelassene Haferflocken zum Frühstück zu essen? Eine Banane und einen Apfel dazu aufzuschneiden dauert keine fünf Minuten. Ein paar Nüsse, Kerne oder Samen drüber, eine Prise Zimt, fertig! Es ist ebenso wenig anstrengend ein paar Früchte mit ein wenig Honig in den Kochtopf zu werfen und vor sich hin köcheln zu lassen, zum Beispiel während man fernsieht oder im Netz surft. Abkühlen lassen, ein paar Löffel Chiasamen dazu, ab in ein Glas und schon ist die Marmelade für die ganze Woche fertig.

Schattenseiten

Die wirklich dunkle Seite dieses ganzen Konzepts ist, dass es einfach unterwegs wenig gibt, was ich wirklich essen mag – ausgenommen vom Angebot einiger Restaurants. Da wir viel auf Drehs unterwegs sind, bin ich von Zeit zu Zeit genötigt, irgendwas zu kaufen, was ich eigentlich nicht mehr essen würde. Aber ich komme mehr und mehr dahin, das einfach hin zu nehmen, anstatt mich jedes Mal drüber zu ärgern. Es ist ja sowieso nur eine Ausnahme.

Es ist wirklich das schönste Gefühl dann nach ein paar Tagen Dreh nach Hause zu kommen und sich erstmal wieder etwas Schönes zu Kochen oder zu Backen. Für mich ist „Comfort Food“ ein richtig schöner Salat mit Avocado, Hummus, Quinoa oder Hirse, Spinat, Roter Bete, Kürbis und einem heißem Paprika-Dressing … hach 😋 ( – wer sowas mal ausprobieren und nachkochen mag, hier gibt es meine beiden Lieblingsrezepte: The Vegan Buddha Bowl und Quinoa Power Bowl)

Ernährung war irgendwie schon im Erstgespräch damals bei Diagnosestellung ein Thema für mich persönlich. Nach so einer langen Suche fühle ich mich grad richtig gut, dass ich etwas für mich Funktionierendes gefunden habe. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass ich das Ganze nur oder überhaupt wegen der MS mache. Sie hat mich einfach dazu gebracht.

Jetzt fühle ich mich ganzheitlich gut mit dem, was ich zu mir nehme. Mein Körper hat das schokoladensüchtige Gehirn überlistet, das jetzt auch mit einer Runde Datteln zufrieden ist. Yay 🙆

(Wenn euch das Thema Clean Eating interessiert und ich weiterhin ab und zu darüber berichten soll, lasst es mich wissen und hinterlasst mir einen Kommentar!)

4 thoughts on “Aber bitte ohne Sahne!

  1. Sabine, es ist Adventszeit 😀 wie kann man da über gesunde Ernährung schreiben 😀

    Also die Bilder alleine sehen schon so einladend aus… also ich würde gerne mehr davon lesen, auch wenn ich mich zur Zeit leider überhaupt nicht zu einer Ernährungsumstellung motiviert fühle. Aber das kann sich ja noch ändern. Und bei den Rezepten könnte ich nebenbei mein eingerostetes englisch verbessern 😉 Schönes Wochenende !

    1. Hahaha, ich muss grad echt schallend lachen 😃 – JA! Stimmt! Ich weiß auch nicht warum ich gerade jetzt darüber schreibe 🙈😊
      Aber weißt du was, ich glaube, genau dieses Weihnachts-Geschlemme war damals vor einem Jahr der Ansporn, das Ganze mal anders zu probieren und wir sind dann einfach dabei geblieben ..
      Ich hab meine ersten Weihnachtsschokis damals nur zum Fest kaufen wollen, wo es schon nur noch Reste im Sortiment gab. Ja, jetzt wo du’s sagst, kommt es langsam wieder 🙂
      Einen schönen Advent wünsch ich dir!

      1. Hahaaa, du hast es geschafft – gestern hatte ich in einem Laden plötzlich ne Packung Chia-Samen in der Hand!! o.O
        Aber nicht gekauft… möchte erst mit ner vorbereiteten Basis-Liste ernsthaft einkaufen, um dann zuHause gleich los legen zu können. 🙂
        Auch dir einen schönen 2. Advent!

  2. Ich kann das nur bestätigen, was du schreibst. Ich ernähre mich ähnlich, zusammenfassend kann ich sagen „vegan, erweitert um Fisch, abzüglich gesättigte Fette und weniger Omega 6“ (sprich kein Kokosfett / -Öl und so wenig Sonnenblumenöl wie möglich), n Anlehnung an das Programm „Overcoming Multiple Scöerosis“ vom Australier Prof. Dr. George Jelinek. Ich fühle mich gut damit, habe auch noch ganz nebenbei und ohne Verzicht in den letzten 6 Wochen rund 3 kg abgenommen und habe das Gefühl, aktiv meinen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Es gibt so viele köstliche Sachen, die man entdecken kann, das hat dann mit Verzicht nichts zu tun. Ach ja, und bei mir sind es jetzt 6 Wochen ohne Schokolade, es ist wirklich nicht so schlimm. Wenn der Jieper kommt, trinke ich mal einen Kakao. Das einzige, was ich mir nun noch abgewöhnen muss, ist der gelegentliche Heißhunger auf Kartoffelchips, dem ich auch manchmal noch nachgebe. Aber auch der ist schon viel seltener geworden.
    Ich würde gern mehr über Ernährung lesen! Vielleicht hast du ja auch noch ein paar Linktipps zu entsprechenden Blogs. Ich kann die Seite von „Eat this!“ sehr empfehlen!
    Lieben Gruß!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.