#bringinguscloser .. but first:

Es ist Welt MS Tag. Es gibt auch in diesem Jahr wieder ein internationales Motto für diesen Tag, welches da lautet: Bringing us closer. 

Wir wollen also näher zusammen rücken, vielleicht Gräben schließen zwischen verschiedenen Gruppierungen, Ärzte, Therapeuten, Patienten, Researchern – zwischen Menschen, die ja im Grunde alle das Gleiche wollen: MS erfolgreich zum Stillstand bringen, Ursachen herausfinden, Gesundheit bieten usw.

Ich persönlich möchte dem etwas voranstellen. Erst: Bring yourself closer. Und zwar du dir selbst. 

Seit ich einen so völlig anderen Blick auf das Thema Krankheit und Gesundheit gewonnen habe, sehe ich auch die MS Community mit anderen Augen. Auf der einen Seite beobachte ich nach wie vor, wieviele Menschen sich nun trauen, ganz wunderbar offen und auch positiv über ihr Leben mit der Erkrankung zu berichten, da gibt es mittlerweile massenhaft tolle Beispiele für inspirierende Blogs und Projekte.

Auf der anderen Seite beobachte ich aber ebenso, dass alle so sehr kämpfen. Kämpfen, kämpfen kämpfen. Und zwar nicht in Bewusstheit. Nein, sie kämpfen gegen die MS. Sie kämpfen gegen Vorurteile. Sie kämpfen mit ihrem Umfeld. Und im Endeffekt kämpfen sie damit gegen sich selbst.

MS ist Teil deines Körpers

Das hier wird sicherlich keine beliebte Aussage werden, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen: solange dieser Kampf in diesem State of Mind passiert, wird es keine Besserung geben. Es wird immer ein Kampf bleiben, er ist nicht zu gewinnen. Denn diese Art von Kämpfen geschieht aus dem eigenen Denken heraus. Aus den angesammelten Eindrücken und Erlebnissen, die dir vorgaukeln, wer du zu sein hast. 

Kämpfen gegen die MS bedeutet kämpfen gegen sich selbst. Denn MS ist ein Teil deines Körpers geworden. Ob du willst oder nicht.
Hast du dich mal gefragt: Warum genau ärgert es dich, wenn jemand deine MS nicht sieht? Oder wenn jemand unsensibel reagiert? Oder wenn deine Fatigue dich wieder umhaut? Wer in dir ärgert sich darüber?

Ich bin dieser Frage nachgegangen. Und geführt hat es mich in die Entspannung. Und ich habe tatsächlich dadurch aufgehört zu kämpfen. Wir reden immer vom Annehmen der Krankheit – aber erst in den vergangenen Monaten durfte ich erleben, was das wirklich bedeutet. Wie sich das anfühlt. Wie es Freiheit, Entspanntheit, Fröhlichkeit und tiefe Dankbarkeit in das Leben bringt, wenn man wirklich annimmt und das erkennen und dasein lassen kann, was gerade ist. Und wie das auch die Wahrnehmung der Krankheit verändert. Und ich meine eben nicht dieses „Ich-kanns-ja-eh-nicht-ändern-deshalb-finde-ich-mich-damit-ab“-Annehmen. Sondern ein klares, bewusstes JA zum Leben und allem, was dazu gehört. Und damit die Chance jedes Hindernis als Hinweis zu nutzen, um im Unterbewusstsein vergrabene Dinge ans Tageslicht zu holen und aufzulösen.

Aus einer anderen Perspektive

Deshalb möchte ich euch an diesem Tag mal einen Gedanken mit auf den Weg geben, den ihr vielleicht noch nicht so häufig gehört habt: Setzt euch mal ganz ruhig hin und schaut, gegen was ihr da eigentlich kämpft. Wer oder was möchte denn da gesehen werden? 

Die MS ist oft wie eine körperliche Manifestation deines inneren Kampfes mit dir selbst. Diese zwei Buchstaben können nichts dafür für unsere ganzen Ups & Downs. Die emotionale Achterbahn tun wir uns selbst an, in dem wir unsere eingefahrenen Gedankenstrukturen hegen und pflegen – anstatt sie einfach mal gehen zu lassen.

Vor einem Jahr hatte ich einen Schub, bei dem mir die MS dabei behilflich war: aufgrund massiver kognitiver Einschränkungen konnte ich nicht mehr richtig denken. Ich habe die Gunst der Stunde nicht erkannt. Erst im Nachhinein wird mir klar, warum Deva diesen Zeitpunkt so freudig ausgenutzt hat und mich mitzunehmen, zu dem, was da hinter Körper und Geist schlummert. 

Loslassen

Seitdem lasse ich alles los. Seitdem entspannt sich alles in meinem Leben. Seitdem ist Lebensfreude keine Achterbahnfahrt mehr. Seitdem sind Niederlagen kein Grund für schlechte Laune. Seitdem sind Höhenflüge kein Grund zum Abheben. Es darf einfach alles sein, wie es ist. Und wenn es Kampf gibt, dann ist es ein Kampf in Bewusstheit, dann ist es wie ein Spielchen.

Und mein Körper? Ach, der ist so dankbar. Nach diesem jahrelangen verkrampften Walten fühlt er sich so wunderbar in der Entspannung. Die MS verschwindet mehr und mehr komplett aus meinem Leben. Sie ist so ein sehr seltener Gast geworden. Und wenn sie anklopft, dann sperre ich sie nicht aus. Ich lade sie ein, denn dann gibt es etwas, was gesehen werden will. Also setze ich mich hin und schaue es an.

Erst innen, dann außen

Ich finde erst, wenn jeder bei sich selbst angekommen ist und sein Innerstes verändert, dann können wir anfangen, gegenseitig näher zu rücken und das Außen zu verändern. Der erste Schritt zur Besserung von Erkrankungen wie MS liegt in uns selbst, so unbequem, wie diese Erkenntnis sein mag. Kein Research-Team, keine Studie, kein Arzt, kein Therapeut, kein Medikament, keine Pflanze kann dich gesund machen, wenn du die Verantwortung für dich an jemand anderen übertragen willst. Das hat schon Sonja Wierck damals in ihrer SoWi-Therapie gesagt. Und erst Jahre später wird mir die Tiefe dieser Aussage bewusst. 

Daher mein Motto für heute: Bring dich dir selbst näher. Öffne dich. Und wirf einfach mal alle deine Glaubenssätze, Ideen und Konzepte vom Leben über Bord. Auch von der MS. Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Es geht um Verantwortung im Hier und Jetzt. Innenhalten, ruhig werden, beobachten. Da gibt es etwas wirklich Schönes zu entdecken.

Lasst uns die (MS-)Welt verändern, in dem wir zuerst uns alle selbst ein Stück verändern. In dem wir alle anfangen, liebevoller mit uns selbst umzugehen.

 

✨ Einen schönen Welt MS Tag wünsche ich euch allen! ✨

4 thoughts on “#bringinguscloser .. but first:

  1. Dein wunderbarer Text spiegelt wohlformuliert wieder, was ich ebenfalls so für mich erkannt habe. Das erste Mal bin ich über den Hashtag #msfighter gestolpert. Ich habe mich gefragt, wie man gegen seinen eigenen Körper „fighten“ kann – denn wie die sagst, die MS ist ein Teil von mir – und mich selbst möchte ich eigentlich nicht bekämpfen. Daher benutze ich den Hashtag auch nie. Es sind oft nur Kleinigkeiten, auch in der Sprache, die ein anderes Licht auf die Erkrankung werfen.
    Ebenso Sprüche wie „man sieht es dir gar nicht an“… sie sind ja nicht böse gemeint. Ich nutze die Gelegenheit zur Aufklärung und ärgere mich nicht darüber – warum auch?
    Die Liste ist endlos. So häufig entscheiden wir selbst, wie wir mit Umständen umgehen (eigentlich immer) – zu erwarten, dass andere sich uns gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise zu verhalten haben, ist egozentrisch.
    Auch darin stimme ich dir zu: Lasst uns mit uns selbst in Verbindung kommen. Und darüber erfahren, dass wir alle verbunden sind… 🙏🏼

  2. Bin ganz bei dir!! Vieles sehe ich auch so, wie du Sabine. Du bist nur ein großes Stück weiter als ich, denn du lebst es. Ich freue mich für dich wirklich sehr! <3

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