Das war also Weihnachten

Kennt ihr das – Man merkt erst so richtig das Ausmaß einer eigenen Veränderung, wenn man mit altbekannten Menschen oder Orten in Berührung kommt?

Mir ging es in jedem Fall so, als ich an Weihnachten meine Familie und meinen Heimatort besuchte. Ich war seit meiner Panchakarma noch nicht wieder dort und habe auch nur zwei Mitglieder meiner großen Familie zwischendurch kurz getroffen.

Es flasht mich doch immer noch, wie anders ich plötzlich Menschen, Orte und Dinge um mich herum wahrnehme. In der eigenen Welt, in der man sich Tag für Tag bewegt, fällt das nun nicht mehr so auf – das war nur unmittelbar nach der Panchakarma so. Jetzt habe ich mich gewöhnt, dass ich Hamburg, meinen Mann, meine Kollegen und meine Freunde anders erlebe.

Aber auf meine Familie hat das bisher noch nicht zugetroffen.

Es war nicht gut oder schlecht, es gibt keine Bewertung dafür, es war einfach nur .. anders. Michael hat mich während der Behandlung mehrfach gefragt, ob ich Menschen jetzt anders wahrnehme. Ja, definitiv. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich es bis heute nicht beschreiben kann, was genau so anders ist.

Auf der einen Seite scheint es mir neutraler, aber gleichzeitig liebevoller. Es klingt paradox. So fühlt es sich aber nicht an. Mir grätschen jetzt immer weniger irgendwelche eigenen neurotischen Gedankengänge dazwischen, wenn ich jemanden begegne.

Und obwohl ich als sogenannter hochsensibler Mensch immer schon sehr viel mehr als Worte, Mimik und Gestik von meinem Gegenüber empfange – es versetzt mich immer mehr in Staunen, wieviel es noch zu empfangen gibt, wenn man die eigenen Gedanken beiseite lässt.

Es ist also Weihnachten. Wie jedes Jahr feiern wir Heiligabend zu zweit und klappern an den anderen beiden Feiertagen unsere Familien ab. Natürlich ist das schön. Es ist aber auch stressig, das Fest auf der Autobahn zu verbringen, denn wir legen einige hundert Kilometer zurück an den beiden Tagen. Und die Autobahnen werden jedes Jahr voller, die letzten drei Jahre sind wir nie ohne Stau davon gekommen.

In diesem Jahr war es von außen betrachtet haargenau wie immer. Aber erlebt habe ich es einfach nur als entspanntes, schönes Familienfest. Es war auch nicht das Weihnachtsgefühl so sehr im Vordergrund, eher das Beisammensein an sich.

Weihnachten hat in diesem Jahr für mich ohnehin eher was von Aufbruchstimmung und Neubeginn – anstatt wie üblich dieses Durchschnaufen vom vorangegangenen Jahr. Der ganze Konsum rund um dieses Fest ist völlig an mir vorbeigegangen und unberührt durch mich hindurchgeflossen. Ich habe zwar gesehen, dass da Karussells und Glühweinbuden vor unserer Haustüre standen .. nein, genau genommen habe ich es gehört und gerochen 😁 .. aber es wirkte alles so inhaltsleer, dass ich keine emotionale Beziehung irgendeiner Art dazu aufgebaut habe.

Ja, das beschreibt es eigentlich sehr gut: Inhaltsleer kam mir die Hamburger Weihnachts-Konsum-Landschaft vor. Die letzten Jahre habe ich mich zwar auch schon davon distanziert, aber hatte immer eine gewisse emotionale Beziehung zu dem ganzen Zirkus. In diesem Jahr lief es an mir vorüber, wie eine Werbung, die mich nicht interessiert.

Und an Weihnachten selbst .. da sitze ich also im Kreise meiner Liebsten und bin entspannt und glücklich. Klingt das nicht nach einem Satz, der auf jedes Jahr zutreffen sollte? In der Art, wie es mir in diesem Jahr ging, würde ich das für keins der vorangegangenen Jahre unterschreiben. Es war einfach .. anders. Wunderschön anders.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.