Die neue Bewegung

Anfang Juni hat es mich für einen Dreh in die Schweiz verschlagen. Dort habe ich zwei, ja man kann schon sagen bekannte Persönlichkeiten im Bereich der MS kennengelernt: Jann Kessler (Filmemacher von Multiple Schicksale) und Katarina (Bloggerin von staublos.ch). Da diese beiden Begegnungen genauso unglaublich intensiv wie verschieden waren, werde ich einzeln darüber schreiben.

staublos & Kleine graue Wolke

Sind wir die neue Generation der Kranken? – fragt Katarina in dem Text, den sie bereits über unser Treffen auf ihrem eigenen Blog geschrieben hat. Mit einem klaren und lauten JA! möchte ich das an dieser Stelle beantworten.

Katarina kennenzulernen – das war wie eine verwandte Seele zu treffen. Das war Sympathie auf den ersten Blick. Das war so voller Energie, dass ich unser Treffen am liebsten noch viele weitere Stunden ausgedehnt hätte. Wir haben uns zuerst in unserem Hotel getroffen, wo wir einen kleinen Podcast für das Bloggerprojekt Einblick aufgenommen haben. Und schon dabei ging es darum, warum wir bloggen. Wie wir zum Bloggen gekommen sind. Was unser Anspruch ist.

Als ich meine Diagnose bekam, gab es schon einige Blogs über MS. Aber keiner davon ist mir als besonders inspirierend oder lebensbejahend in Erinnerung geblieben. Viele Texte handelten von den schlimmen Beeinträchtigungen im Alltag oder den sich distanzierenden Freunden und Verwandten oder dem psychischen Druck der Diagnose oderoderoder. Es hat mich richtig fertig gemacht, im Netz Webseite um Webseite zu besuchen und überall mehr oder minder gebrochene Menschen anzutreffen.

Vielleicht habe ich die Richtigen einfach nie gefunden. So oder so ist mir aber mit Start meines Kleine graue Wolke-Blogs aufgefallen, dass es in den letzten Jahren mehr und mehr und immer mehr humorvolle und positive Menschen gibt, die ihr Leben mit der MS im Netz niederschreiben, um zu zeigen, dass es eben nicht vorbei ist. Dass es weitergeht, dass man auch mal Tiefen durchlebt, dass sich die Höhen aber lohnen immer wiederaufzustehen.

Katarina und ich wollen mit unseren Blogs genau das. Und wir wollen ein Ankerpunkt für all jene sein, die noch nicht wissen, wohin sie die Krankheit führen wird. Wir stehen mit beiden Beinen im Leben und lassen uns von der MS nicht unterkriegen – im Gegenteil, wir lernen aus ihr. Wir reflektieren unseren Alltag, strukturieren ihn um, genießen kleine Momente ganz anders – und wollen die Welt daran teilhaben lassen. Und das machen nicht nur wir so, es gibt eine Reihe toller Blogger, die das genauso machen. Ja, ich finde, wir sind alle Teil einer neuen Generation der Kranken. Teil einer neuen Positiv-Bewegung innerhalb der MS.

Da saßen wir nun also, die Podcast-Aufnahme war zu Ende und ich war so erleichtert, dass Katarina noch Lust und Zeit hatte, mit uns zum Essen zu kommen. Ich hatte das Gefühl, wir hätten uns noch Stunden über hunderte von Themen unterhalten können. Einer so tollen, aufgeschlossenen Person gegenüber zu sitzen und Geschichten auszutauschen, lädt meine Batterien mehr auf als zwölf Stunden Schlaf.

Das Treffen hat mir mal wieder gezeigt, wie nah wir uns doch alle sind, zum Teil ohne uns zu kennen. Und wie schön es ist, sich gegenseitig zu unterstützen. Wir wollen ja alle irgendwie dasselbe.

 

***

Wie gerne hätte ich den Text an dieser Stelle beendet, aber ich kann nicht anders, als dazu zu schreiben, dass mir in den vergangenen Tagen vermehrt zu Ohren gekommen ist, dass wir uns nicht nur alle unterstützen, sondern dass auch aktiv schlecht geredet und gemobbt wird. Ja, ist schon klar, das gibt es überall. Neid und Missgunst gehört zum Leben dazu wie die Liebe.

Und trotzdem muss ich das nicht gut finden. Es ist mir vollkommen schleierhaft, wie man eine Person öffentlich fertig machen muss, obwohl man von ihr weiß, dass sie ebenfalls einfach nur ihre Geschichte und Ansichten über die MS teilen möchte – genau wie wir anderen auch. Ich verstehe nicht, wie man Personen, dessen Ansichten einem nicht gefallen, nicht einfach in Ruhe lassen kann oder zumindest sachlich seine Meinung äußert. Als Kind habe ich immer gedacht, dass Mobbing ein Teenager-Ding ist. Denkste. Die Erwachsenen sind ja sogar noch fieser. Echt schade. Aber ihr wisst ja, dass ich an Karma glaube. Was wir in die Welt setzen, wird wie ein Echo zurückkommen, daher wird es den Missgünstigen sowieso am Ende nichts nützen! Oder was denkt ihr?

8 thoughts on “Die neue Bewegung

  1. Hallo,

    wunderschöner Artikel – wie die anderen auch – Vielen Dank. Oh ja Mobbing und das noch unter gleichgesinnten kranken schrecklich so als ob der eine dem anderen es nicht gönnt dass ihm besser geht…………..

    Ich halte es dann einfach so ich halte mich an die Positiven so wie dich Katharine und all die anderen es ja zum Glück noch mehr. ….

    Persönliches zur mir: Ich habs ganz gut im Griff und es hätte schlimmer kommen also nach vorne schauen und auch mal mutig sein Dinge auszuprobieren alternativen etc und auch nein sagen zu den netten Ärzten die meinem einem was aufdrücken zu müssen.

    LG
    Ursula

    1. Danke liebe Ursula!! Ja, so mache ich es auch, ich halte mich auch einfach an die Positiven ☺️ Hab mich grad durch deinen Blog geschmökert … sehr schön!!!! Bastele und nähe auch sehr gerne 😊

      1. Lieben Dank Sabine 🙂
        ich mach leider nimmer so viel wie schon gemacht aber immer wieder nähe ich noch und was mir jetzt aufgefallen ist ich habe glaub ich bis auf einmal nicht über meine MS geschrieben.
        LG
        Ursual

  2. DANKE Sabine, ich lese Deine Zeilen immer mit großem Interesse. Du findest immer die richtigen Worte. Bleibe bei Deiner positiven Einstellung. Und ja,es wird wohl immer Menschen geben, die nur auf Zank und Streit aus sind. Das sind die, die sich selber nicht leiden können.

    Viele liebe Grüße
    Caudia

  3. Wie Claudia, lese ich deine Sichtweisen und Gedanken auch sooo gerne…
    und Begegnungen, wie du sie mit Katarina hattest, sind so bereichernd.

    Was Ungerechtigkeit und Missgunst angeht, fällt es mir oft sehr schwer solche Menschen zu akzeptieren. Meine Wut und meinen Ärger muss ich dann rauslassen, auch wenn ich weiß, dass es nix bringt… Und weil ich Menschen nicht ändern kann (und auch nicht will), kann ich nur weit von ihnen Abstand nehmen.

  4. Ich liebe euch, und Katarina folge ich schon seit längere Zeit auf Instagram. Ihr seid so positiv und euer Lachen ist sooo ansteckend, dass ich immer selber grinsen muss :-). Weiter so meine Lieben :-*

    1. Huhu, oh wie lieb, danke 😀 <3 Deinen Blog kenne ich noch gar nicht, hab grad schon drauf geschaut, da werd ich heute Abend mal reinschmökern 🙂 🙂

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