Eine hässliche Emotion

Habt ihr schon mal selbst in euch erlebt, was Hass bedeutet? Richtiger Hass? Diese tiefe brodelnde Abscheu gegenüber eines anderen Menschen, diese überkochende Wut?

Hass hat nichts mit Unsympathie zu tun, nichts damit, etwas oder jemanden nicht zu mögen. Viel zu leichtfertig gebrauchen wir es manchmal im Alltag .. „ich hasse Regen“ oder „ich hasse Käse.“ Nein, das ist etwas anderes.

Hass ist hässlich. Hass ist eine hässliche Emotion.

Leider muss ich gerade zum allerersten Mal richtig heftig erleben, wie es sich anfühlt, wenn man sie in sich trägt. Wie sie aufschäumt, wie sie Funken sprüht, wie sie mich zum Schreien, Heulen und Um-mich-Boxen gleichzeitig bringt. Wie verzweifelt sie mich macht. Wie sie mich am Guten im Menschen zweifeln lässt.

Den Anlass kann ich an dieser Stelle nicht erzählen, da er andere wichtige Menschen aus meinem Leben involviert, dessen Privatsphäre geschützt werden muss. Aber am liebsten würde ich es an alle herausschreien, damit sie hören, was für ein grauenvoller Mensch uns Unrecht antut. Und damit durchkommt.

Ich hasse unehrliche Menschen. Ja, ich hasse sie. Ich hasse sie, die sich Dinge ergaunern, die ihnen nicht zu stehen. Und ich hasse die Menschen, die ihnen dabei helfen. Auch wenn es ihr Beruf ist. Ich kann nicht verstehen, wie man jemand sein kann, der einen Lügner vertritt und ihm dabei hilft, ehrliche Menschen auszubeuten. Nein, kann ich nicht. Wer macht sowas freiwillig? Wer kann sich dann noch im Spiegel anschauen?

Hass tut weh. Meine innere Wut bereitet mir physische Schmerzen. Es ist schwer zu ertragen. Und es macht mich krank. Es liefert mir gerade den Beweis dafür, dass negative Emotionen meine MS sehr negativ beeinflussen. Dafür brauche ich nun keine Studie mehr. Ich glaube ich hatte noch nie gleichzeitig so viele Teile meines Körpers mit Taubheit belegt als jetzt gerade.

Ich hoffe diese hässliche Emotion geht bald wieder. Sie ist hier nicht willkommen.

 

*** Ich habe gezögert, diesen Text mit euch zu teilen, aber ich merke schon jetzt, dass es gut tut, dieses starke, mich zerreißende Gefühl aufzuschreiben. Nichts schüttelt mich mehr als Ungerechtigkeit und Unehrlichkeit, gegen die niemand von uns geschützt ist. Das wird mir gerade sehr heftig sehr bewusst klar. Rechtsstaat hin oder her. Am Ende wollen sie alle nur Geld.

9 Gedanken zu „Eine hässliche Emotion“

  1. Hej Süsse!
    Ich hoffe, das geht schnell wieder vorbei! Drücke dich ganz fest!
    Ich hasse Ungerechtigkeit auch und kann nicht so gut damit umgehen.
    Viele liebe Grüsse, Katarina

  2. Hallo Sabine,

    ich kenne Hass leider nur all zu gut! Manchmal überkommt es mich und ich fühle so starken Hass, dass es mich im Prinzip schwächt was die MS angeht. Und er kommt nicht über mich aus ehrenwerten Gründen, sondern eher aus kleinlichen, hässlichen Gründen. Z.Bsp. weil ich durch die MS gewisse Dinge nicht tun kann, die dem ‚Normal-Gesunden‘ leicht fallen. Ich möchte wieder selbstständig leben, wieder Konzerte und Ausstellungen ohne notwendige Begleitung ohne Rolli besuchen, wieder ganz stelbstverständlich überall hinkommen, ohne vorher einen Transport zu bestellen, keinen Gedanken an Treppen und Stufen verschwenden, denn die wären kein Problem…usw. Dann hasse ich manchmal all die Leute, für die das selbstverständlich ist. Und dann fühle ich mich nur noch schlecht. 🙁 *seufz*

    1. Liebe Katrin, auch wenn du deine beschriebenen Gründe als kleinlich und hässlich bezeichnest, so finde ich sie doch sehr nachvollziehbar!
      Mein rational denkendes Gehirn versucht mir sowieso die ganze Zeit beizubringen, dass jeglicher Hass, egal aus welchen Gründen, schwächt. Aber mein Herz möchte grad nicht hören… Ich schreibe ja immer, Trauer muss man einfach zulassen und dann wird es besser. Aber bei Abscheu und Hass? Ne, da will ich das irgendwie nicht sagen.

      Jetzt in diesem Moment bin ich dankbar, dass wir uns austauschen, von daher vielen lieben Dank für deinen ehrlichen Kommentar 🌸

  3. Hallo Sabine!
    Ungerechtigkeit und Hass macht glaube ich vor keinem Halt…. irgendwann erfährt jeder einmal dieses hässliche Gefühl.
    Das schmerzt, tut weh, aber ich denke mir immer: Ok, was lerne ich daraus? Alle Menschen sind nicht nur nett und wollen Gutes. Mit dem einen Auge lachen und mit dem anderen weinen können so einige Menschen und mit denen will ich dann auch definitiv nichts mehr zu tun haben.
    Ich hoffe es geht schnell vorbei, LG

  4. Liebe Sabine,
    ich verstehe Dich sehr sehr gut! Selber mag ich diese Gefühl gar nicht, denn es tut einem nicht gut!
    Aber blabla – es hilft ja nichts, wenn einem Ungerechtigkeit, Böswilligkeit und Gemeinheit entgegenschlägt.
    Ich musste es von meinem ExMann erfahren, er ist als Vater unseres Sohnes die absolute Null und wollte mir nicht das geben, dass mir zustand – er hatte es unterschrieben! Beschuldigte mich dann der Unterschriftsfälschung uswusf. und seine Anwältin beschuldigte mich dann – sicher von ihm ausgehend –
    das meine Krankheit nur gefaked ist, damit ich nicht mehr arbeiten muss!!?? Da ist dann mein Anwalt sehr böse geworden und fragt sie, wo sie gelernt hätte…
    oooooh, da hatte ich Gedanken, für die habe ich mich selbst verachtet und dieser Hass fuhr mir ungebremst in die Beine. Da kannst du dir 1.000 X sagen, ich sende ihm Licht und Liebe – es hilft dir überhaupt nicht, leider!
    Heute, nach ca. 2 Jahren, habe ich meinen Frieden damit, vorallem, weil ich weiss, dass trotz MS mein Leben um ein Vielfaches reicher ist als seines – UND wenn ich er wäre, wäre ich lieber ich!!!
    Ich wünsche Dir damit das Beste,
    Petra

  5. Hass macht krank, Hass macht unglücklich, Hass muss weg.

    Es ist schon schwer, wenn man betrogen und belogen wird und wenn es dann auch noch Menschen gibt die dem Hassverursacher helfen und sein Unrecht durchsetzen.

    Rache hilft nicht, lindert keine Schmerzen und löst das Problem nicht.
    Das einzige was hilft, was ändern kann und den notwendigen Abstand bringt:

    Professionelle Hilfe muss her!

    Wir konsultieren ja auch einen Arzt, wenn wir für Körper und Geist Hilfe brauchen.
    Alle unsere MS Diagnosen hat ein Arzt gestellt und nicht wir Patient.

    Nehmt euch einen Anwalt und lasst den das klären. Das macht frei und beruhigt die Nerven.

  6. Wir haben dieses Problem leider auch schon öfter gehabt. Besonders verärgert es mich dann, wenn man ehrlich jemandem gegenüber tritt, und dieser das dann schamlos für seine Zwecke ausnutzt und im Grunde betrügt.
    Mir hat es damals sehr viel Genugtuung gegeben, dass dadurch, dass meine Versicherung sich darum gekümmert hat, mein „Gegner“ mit weniger Gewinn aus dem ganzen herausgekommen ist, als ich ihm auf ehrliche Weise bezahlt hätte.
    Mein Tipp ist auch ganz klar: lass das andere regeln, die sich damit auskennen, der Stress damit bleibt zwar, aber den Ärger kann man ein bisschen abgeben.
    Alles Gute!

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