Eine neue Art des Urlaubs

Es ist Sommer. Kroatien-Zeit. Ein feststehender Break im Jahr, eine Zeit, wo ich natürlicher Weise innehalte. Schon im letzten Jahr war ich völlig geflasht, was sich in mir verändert hat in so kurzer Zeit und heute sitze ich hier und denke: Ich erkenne mein Leben nicht wieder. Und das ist so wunderschön.

So viel ist einem Jahr von mir abgefallen, so viel Neues ist hochgekommen und durfte gesehen werden. So viel hat sich aufgelöst. Das Leben ist so intensiv geworden. Ich fühle mich jünger als noch vor einem Jahr. Und erst recht als noch vor zwei Jahren.

Der Wechsel von Deutschland nach Kroatien war in diesem Jahr für mich vor allem ein Orts- und Klimawechsel. Nicht wie sonst, als ich auch mein Inneres erstmal aklimatisieren musste – nein, als wir die Wohnung in Split betraten, war es so, als ob ich nie weggewesen wäre. Ich bin schon entspannt angekommen. Das ist so neu. Normalerweise stapelt sich der Stress kurz vorm Urlaub auf so hohe Berge, dass ich die Hälfte nicht schaffe, in letzter Sekunde den Koffer zusammenpacke und dann völlig gehetzt in den Flieger oder ins Auto steige.

Dieses Ankommen vor ein paar Tagen hier in Split hat mir auf eine schöne Art und Weise meinen neues Seins-Zustand gespiegelt, an den ich mich zuhause schon so gewöhnt habe, dass er mir nicht mehr auffällt.

Mir fällt auf, dass ich anders „Urlaub mache“ als früher. Urlaub ist für mich nicht mehr „Entspannung vom Alltag“. Denn A) ist mein Alltag momentan sehr schön und nicht angestrengt angespannt. Und wenn, dann kann ich den Prozess in gewisser Weise genießen und Wert schätzen, diese Anspannung aufzulösen.

Und B) teile ich das Leben nicht mehr auf in Urlaub/Freizeit und Arbeit. Hab ich sowieso noch nie gewollt, aber nie geschnallt, wie man das wirklich harmonisch hinbekommt. Diese auf Teufel komm raus gewollte Nicht-Trennung hatte in meinem Leben vorher eher die Konsequenz, dass ich ein Work-Aholic ohne Grenzen war.

Von Nichts in meinem Alltag hätte ich momentan Abstand gebraucht und doch ist es natürlich wunderschön, einen Tapetenwechsel zu haben. Ich genieße vor allem, dass mein Mann und ich mehr Zeit als sonst zusammenverbringen können. Generell erlebe ich die Stadt und die Umgebung, das Klima und die Menschen hier viel intensiver als früher, obwohl wir bereits zum zehnten Mal gemeinsam hier sind. Obwohl ich so viele Ecken schon kenne, fühlt es sich in diesem Jahr alles irgendwie „neu“ an.

Eine schöne Art des „Urlaubs“ – das Wort, wie es von den meisten benutzt wird, passt irgendwie gar nicht zu diesem Gefühl 🐬

Und es führt mir vor Augen, wie paradox unser gesellschaftliches Leben abläuft .. da nehmen wir nicht selten Stress in Kauf, wenn der Urlaub in Sichtweite ist – wie oft höre ich den Satz „Passt schon .. ich hab ja bald Urlaub!“
Aber im Prinzip könnten wir die Urlaubszeit viel intensiver und besser für uns nutzen, wenn wir gar nicht erst gestresst hineingehen. Verrückt, oder?

One thought on “Eine neue Art des Urlaubs

  1. Schön, wie du das beschreibst. Bei Dir hat sich im Inneren anscheinend ganz viel geändert…
    Ich bin zwar nicht deutlich weniger gestresst, wie du es beschreibst, aber bei mir hat sich die Einstellung zum Urlaub etwas geändert. Urlaub wird seit den letzten vier Jahren nicht mehr so groß geschrieben bei mir. Die meiste Zeit meines offiziellen Urlaubs habe ich fürs Studium aufgebraucht, auch Feiertage und Wochenenden. Was aber für mich überhaupt nicht schlimm war. Ich mache mir dadurch keinen Stress mehr bis zum Urlaub alles geregelt haben zu müssen. Zwar fielen große Reisen weg, aber wichtig war, dass ich mir einfach zwischendurch immer wieder ein paar Tage „Auszeit“ für mich nehmen konnte, sobald ich sie eben gebraucht habe. Ich finde es grundsätzlich ungut 1 Jahr vorher wissen zu müssen, wann man Urlaub braucht. Leider sind wenige Arbeitgeber dahingehend flexibel.
    Auf deinen letzten Satz bezogen: Nicht ohne Grund behaupten manche Wissenschaftler, dass Erholung erst nach zwei Wochen Urlaub eintritt. Wenn man gestresst in den Urlaub geht, kein Wunder.
    Liebe Gruß 🙂

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