Erkenntnis ausgebuddelt

Es ist schon einige Monate her, da bin für meine Dokuserie Tausend Gesichter für das Bloggerprojekt „Einblick“ nach Wuppertal gedüst, um Petra kennenzulernen. Ich muss sagen: diese Begegnung hat meinen Blick auf die MS nachhaltig verändert.

Um nicht allzu weit auszuholen, sage ich mal kurz und knapp: Die ersten Monate und vielleicht sogar Jahre nach der Diagnose war ich der festen Überzeugung, die MS durch meinen Lebensstil und -Einstellung kontrollieren zu können. Ich hab es sozusagen in der Hand, was die Krankheit macht oder auch nicht.

Ja, schwierig. Heißt denn das im Umkehrschluss, dass ich selbst schuld bin, wenn es mir schlechter geht? Nein, eigentlich kann es das doch auch nicht sein.

Trotzdem fällt es mir schwer, mir einzugestehen, dass ich nicht ganz so viel Kontrolle über die MS habe, wie ich gerne hätte. Es bleibt dieser hartnäckige Gedanke, wenn ich nur streng genug mit allem bin – der Ernährung, Work-Life-Balance, also einem gesunden Maß an Stress, mentalem und körperlichem Fitnesstraining – dann wird schon alles gut bleiben. Dann bleib ich am Steuer.

So. Und dann traf ich Petra.

Ein paar Eindrücke vom Dreh und ein kleines Dreh-Tagebuch gibt es auf der Website des Bloggerprojekts.

Letztendlich hat mir Petra die Augen dafür geöffnet, wie scheiße unberechenbar die MS sein kann, egal, ob man sich nun fit hält, in einer harmonischen Familie lebt und und und.

Und was das schönste an der Begegnung war: Petra ist trotzdem eine so tolle und positive Frau geblieben. Sie hat mir zurück ins Gedächtnis gerufen, worüber wir denn Kontrolle haben:

Egal was ist, wir können uns dafür entscheiden, glücklich zu sein. Das liegt bei uns.

Das ist doch irgendwie die Hauptsache, oder?

Witzigerweise hatte ich diese Erkenntnis irgendwann mittendrin in den Dreharbeiten zu Kleine graue Wolke schonmal, aber sie ist mehr und mehr von anderen Gedanken überhäuft worden. Schön, dass sie wieder ausgegraben wurde.

Natürlich denke ich immer noch, das wir recht viel beeinflussen können, aber diese Gedanken sind jetzt irgendwie anders geartet. Vielleicht bodenständiger? Es tut auf jeden Fall gut, sich nicht ständig selbst die Schuld für Wehwehchen und Schwäche-Phasen zu geben. Gewisse Dinge hat man manchmal ( .. nicht immer!) einfach nicht in der Hand. Punkt.

 

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